Sonntag, 29. Januar 2017

Was soll nach dem Todesfall gefeiert werden - auch der Geburtstag oder "nur noch" der Todestag? Tipps für Trauernde und Tipps für den Umgang mit Trauernden

Osnabrück – Wenn der Geburtstag eines Menschen naht, der verstorben ist, wird die Unsicherheit in Familien und Freundeskreisen oft groß - soll der Geburtstag noch gefeiert werden? Oder ist er nicht durch den ebenfalls zu würdigenden Todestag als neuen Gedenktag an die verstorbene Person abgelöst worden? Sollten etwa zwei Gedenktage pro Jahr begangen werden? In mehreren Internetforen wird diese Frage ganz kontrovers diskutiert - oft gibt es Unverständnis, wenn Angehörige auch den Geburtstag noch irgendwie feierlich begehen wollen. Dabei gibt es dafür durchaus gute Gründe.

Die Weihnachtstage. Der Todestag. Und der Geburtstag. Es sind diese neuralgischen Tage, an denen der Verlustschmerz nochmal besonders deutlich wird, vielleicht sogar in den Bereich des Unaushaltbaren vordringt. Vor allem der Geburtstag des verstorbenen Menschen, der zuvor vielleicht als ein Tag des Fröhlichseins und der Lebensfreude erlebt worden ist, macht besonders deutlich, dass es da jetzt eine Lücke gibt. Dass da keine Lebensfreude mehr ist, weil kein Leben mehr da ist. Es ist durchaus verständlich, dass Menschen in einer Verlustkrise an solchen Tagen nicht alleine sein wollen und dass sie diese Tage irgendwie begehen oder würdigen wollen - und doch stoßen Trauernde bei einem solchen Vorhaben auf Unverständnis. Das zeigen alleine die Einträge in Onlineforen zu diesem Thema: "Ich bin total perplex - bei uns in der Familie ist sowas nicht üblich", heißt es beispielsweise an einer Stelle bei Eltern.de. Was also tun?


Geburtstage von Verstorbenen feiern oder nicht - das ist eine alte Streitfrage.  (Pixabay.de-Foto, Creative-Commons-CC0-Lizenz)

Wie immer in solchen Fällen gelten zwei wichtige Grundannahmen. Erstens: Es gibt keine allgemeingültigen Regeln (mehr). Zweitens: Es zählt das, was den jeweiligen Hinterbliebenen gut tut. Und es sollte so gestaltet sein, dass es ihnen gut tut. Das können sie sogar ein wenig selbst in die Hand nehmen und gestalten, wenn sie genug Energie und Muße dazu haben. Es kommt also immer auf den Einzelfall, auf die einzelnen Menschen, drauf an. Es gibt auch Möglichkeiten, den Geburtstag vom Todestag abzugrenzen und ihm ein neues Gesicht zu geben. Hier ein paar Ideen dazu. 


Kleine Teile, großes Ganzes - ein Erinnerungspuzzle


Wer mag, kann den Geburtstag beispielsweise zu einem bunten Erinnerungstag machen und die Freunde, Verwandte und Bekannte bitten, eine persönliche Erinnerung an die verstorbene Person aufzuschreiben und einzuschicken. Das wird zwar einerseits Schmerzen wecken, darauf sollte man gefasst sein, kann aber andererseits dazu beitragen, dass die Grundidee des Geburtstages - das Fröhliche, Bunte, Lebensbejahende - auch in die Zeit nach einem Todesfall transportiert wird. Eingeklebt in ein  Erinnerungsbuch, wird ein ganzheitlicheres Dokument des Erinnerns aus diesen Puzzlestücken. 


Ein Tag der Stille, ein Tag des Weitergebens


Dies kann dazu beitragen, eine neue Form von Bindung an die Gestorbenen - die nach einem Todesfall nötig und wichtig ist - zu stützen und zu fordern. In Abgrenzung dazu kann der Todestag als ein Tag des Trostes und der Stütze verstanden werden, an dem weniger die gestorbene Person als vielmehr die Unterstützung der Hinterbliebenen die größere Rolle spielt. Eine weitere Idee wäre es, den Todestag als einen Tag der Stille und den Geburtstag als einen Tag des "Weiterlebens" oder "Weitergebens" zu gestalten. 


Musik auflegen, die der Verstorbene mochte


Am Geburtstag beispielsweise die Musik aufzulegen, die den Verstorbenen gefallen hat, kann eine schöne Geste sein, die als hilfreich empfunden wird. Oder an einen Ort fahren, den der Verstorbene gemocht hat (und das Dortsein ohne ihn sowie die Erinnerungen bewusst auszuhalten versuchen). Dies alles trägt die Idee, dass etwas in der Welt bleibt, was den verstorbenen Menschen etwas bedeutet hat. Gemeinsam eine Kerze anzünden, das Licht weiterleuchten lassen, solche und ähnliche Rituale helfen an beiderlei Tagen. Kritisch dürfte allerdings die Frage sein, ob zum Geburtstag auch eingeladen werden sollte. 


Angehörigen nicht zuviel zumuten


Denn wie immer in solchen Fällen gilt auch dies: Angehörige oder Freunde könnten sich alsbald überfordert fühlen. Die Aussicht, jedes Jahr aufs Neue an gleich zwei Tagen - dem Geburtstag und dem Todestag - als Trostspender und Gedenkhelfer verlangt zu sein, wirkt leider rasch abschreckend auf viele. Hier bedarf es eines sanften Herantastens und einer gewissen Feinfühligkeit. Dies ist ein sensibler Bereich, weil Trauernde oft unbewusste Erwartungen an ihre Bekannten und Verwandten in sich tragen können, so dass Enttäuschungen nicht ausbleiben. Doch das muss nicht sein.


Nicht alle auf einmal, sondern nacheinander


Eine hilfreiche Idee könnte sein, nicht jedes Jahr einen immergleichen Stamm von Menschen einzuladen - also alle, die an den Geburtstagen ohnehin dabei waren -, sondern jedes Jahr eine ausgewählte Person aus diesem Kreis. Und auch, wenn eine solche Anmerkung auf dem Blog eines Trauerbegleiters als platte Werbung empfunden werden kann, soll doch angemerkt sein: Natürlich stehen ausgebildete Trauerbegleiter ebenfalls zur Verfügung, einen Geburtstag oder Todestag gemeinsam gestalten zu helfen oder an diesen Tagen da zu sein - auch einfach nur zum Zuhören und Verstehen oder zum gemeinsame Schweigen. Denn das alles muss es geben dürfen an solchen Tagen. 

An einen Ort fahren, den die verstorbene Person mochte, erfordert etwas Mut - aber es kann zu einer guten Erfahrung werden.  (Pixabay.de-Foto, Creative-Commons-CC0-Lizenz)


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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Die Kunden müssen die Bestatterbranche bewegen, nicht umgekehrt - ein Plädoyer für eine modernere Bestattungskultur

Ebenfalls auf diesem Blog: Ein Dialog über das "Nachsterben wollen", den Wunsch nach dem eigenen Tod - zwei Trauerbegleiter unterhalten sich

Ebenfalls auf diesem Blog: Was soll nach einem Todesfall gefeiert werden? "Nur" der Todestag - oder auch noch der Geburtstag des gestorbenen Menschen?

Und im Kultur-Blog des Autors: Genug gemeckert, wir sollten froh sein über unsere Theater - eine Liebeserklärung und eine Lobpreisung zum Welttheatertag

Sonntag, 22. Januar 2017

Willkommen in der Welt des "Spiegelns" - wie eine Gesprächstechnik dabei hilft, besser in die Welt des Gegenübers einzutauchen (und wie sehr diese Technik im Spes-Viva-Trauerland in Belm zur Anwendung kommt)

Osnabrück – Für die Neue Osnabrücker Zeitung war ich kürzlich zu Besuch im „Trauerland“ in Belm in der Region Osnabrück, der Einrichtung für trauernde Kinder und Jugendliche, die die Hospiz- und Palliativinitiative „Spes Viva“ in Kooperation mit dem Bremer Original betreibt. In einem vor kurzem erschienen Artikel in der Neuen OZ habe ich meine Stippvisite bereits beschrieben. Was in diesem Text aus Platzgründen unerwähnt bleibt, was ich aber bemerkenswert fand, ist die Tatsache, wieviel Wert im Trauerland darauf gelegt wird, den Kindern und Jugendlichen das, was sie sagen oder tun, auch zu spiegeln, um sie noch besser wahrnehmen und ernstnehmen zu können.

Wer schon einmal ein Gespräch bei einem gut ausgebildeten Therapeuten, Berater oder Trauerbegleiter erlebt hat, der wird diese Methode kennen: Es geht darum, tatsächlich zu verstehen, was den Betroffenen beschäftigt. Um hier noch feinfühliger zu werden, wird das zuvor Gesagte in eigenen Worten nochmal zurückgegeben. Die Technik geht zurück auf die „personenzentrierte Gesprächstherapie“, die der Psychologe und Psychotherapeut Carl Rogers erfunden und entwickelt hat. Die grundlegende Idee dabei ist die folgende: 


Helfen dabei, die Gefühle des Gegenübers zu verstehen: Emotionskarten sind ein guter, weil spielerischer, Einstieg in ein Gespräch über das, was einen gerade beschäftigt. Im Spes-Viva-Trauerland in Belm kommen diese Erdmännchen zum Einsatz.  (Thomas-Achenbach-Foto)

Der Mensch, der Hilfe braucht, ist der eigene Experte für sein Leben, seine Gefühle, und braucht nicht die Steuerung von außen, sondern Bedingungen, die seine eigene Steuerung (wieder) erleichtern. Die Technik findet heute in vielen Psychotherapien Anwendung bzw. ist die Grundlage davon, wird aber oft auch in einem anderen Kontext eingesetzt. Sogar im beruflichen Umfeld außerhalb der Beratung und Psychologie. Denn dass die Gespräche, die nach dem von Carl Rogers geprägten Muster „Empathie, Akzeptanz, Kongruenz“ verlaufen – also Verständnis, Akzeptanz und Echtheit, oder anders die Unverstelltheit oder Authentizität der Dialogpartner – eben oft besonders gute, weil tiefe Gespräche werden, lässt sich nach Ansicht der Schweizer Beratungsfirma Manres auch in den Berufskontext einbetten. Die Trainer der Firma empfehlen jedem Angestellten eines von ihnen beratenen Unternehmens, offener und ehrlicher auf alle Kollegen und/oder Mitarbeiter zuzugehen. Das geht natürlich sehr weit. Aber, klar: Mehr echtes Verständnis füreinander kann grundsätzlich nicht schaden. Ob es funktioniert? Nun...:


Immer beim Gegenüber zu bleiben ist eine hohe Kunst


Im Trauerland jedenfalls wird konsequent gespiegelt – bei Kindern zumeist sehr direkt durch das Wiederholen des Gesagten, bei Jugendlichen schon eher durch eine Wiedergabe des Gesagten durch eigene Worte. Das professionelle Ziel ist wie bei einer Erwachsenen-Begleitung das Sich-Einfühlen-können in den Klienten, der sich dadurch besser verstanden und in seiner Situation als Mensch angenommen fühlt. Konsequent in der Welt des Gesprächspartners zu bleiben und nichts Eigenes hineinzumischen, das ist die hohe Kunst eines solchen Gesprächs.


Sogar beim Toben und Knüppeln wird gespiegelt


Im Trauerland geht das Spiegeln sogar so weit, dass auch im Toberaum zurückgegeben wird, was dort geschieht. Hier, wo die Kinder und Jugendlichen sich mit Schaumstoffknüppeln oder weichen Bällen richtig austoben können, sind ebenfalls ehrenamtliche Kräfte anwesend, die den Kindern die Intensität ihres Tuns spiegeln – und damit also die Intensität der damit verbundenen Gefühle wie Wut oder Zorn, so die dahinterliegende Idee. In unserer Ausbildung zum Trauerbegleitung haben wir sehr viel über das Spiegeln gesprochen und diskutiert. In einem Punkt bestand Einigkeit: 


Eine weitere spielerische Annäherung an tiefere Gefühle: Das "M+M-Spiel" im Spes-Viva-Trauerland in Belm gibt durch Fragekärtchen emotionale Impulse.   (Thomas-Achenbach-Foto)

Es darf keinesfalls nicht zu einem flachen Nachplappern mutieren, das Verstehenwollen muss immer im Vordergrund stehen. Die damit verbundenen Trainingseinheiten haben allerdings auch gezeigt, dass es so einfach, wie es klingt, eben doch nicht ist. Sondern eine Trainingssache. Jeder, der mag, kann es ja mal in seinem Alltag probieren. Aber Vorsicht! Denn wer so etwas sagt wie „Ich weiß GENAU, wie sich das anfühlt“, hat sich schon wieder auf eine andere Straße begeben – er ist nicht mehr beim Gegenüber. Das geschieht übrigens schneller als man denkt. Wer mag, kann ja mal beim nächsten Small Talk mal versuchen, immer konsequent in der Welt seines Gegenübers zu bleiben. Wem es gelingt, wird erfahren können, dass der Gesprächspartner sich gut aufgehoben fühlt. 

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Mehr Infos gibt es hier

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Sonntag, 15. Januar 2017

Aushalten lernen, Ohnmächte (an-) erkennen... - was die US-Präsidentenwahl rund um Donald Trump und die politische Weltlage insgesamt mit Trauerbegleitung & Trauerverarbeitung zu tun haben (steile These: mehr als man denkt)

Osnabrück – „Ich fühle mich so ausgeliefert und so hilfos..“ - „Ich habe manchmal das Gefühl, ich ertrage das alles gar nicht mehr.“ – Nein, diese Sätze stehen ausnahmsweise einmal nicht im Zusammenhang mit den Themen Trauer und Sterben. Auch wenn sie so klingen. Sie lassen sich in Diskussionsforen und Kommunikationsbeiträgen im Internet finden –  es geht um die täglichen Nachrichten. Also um das, was tagtäglich in der Welt geschieht. Und doch fallen solche und ähnliche Aussagen oft auch bei einem Trauergespräch. Was aber haben das Verfolgen der aktuellen Nachrichten mit einer eigenen Betroffenheit in einem Trauerfall zu tun? Auf einer psychologischen Meta-Ebene betrachtet: Viel mehr als man denkt...

Denn der zugrundeliegende seelische Mechanismus, der uns bei den Weltnachrichten das Gefühl vermittelt, überfahren zu werden, ist letztlich identisch mit einer der inneren Reaktionen, die sich bei einem Trauerfall einstellen können. Es geht um Ohnmacht. Und Hilflosigkeit. Als Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde, als sich die Engländer für ihren „Brexit“-Ausstieg entschieden, waren viele Deutsche nicht nur überrascht, sondern zum Teil wie gelähmt. Doch es muss gar nicht die große Weltpolitik sein...: 


Zigtausend Menschen, zigtausend Geschichten - die Welt schrumpft zusammen, seit die Sozialen Medien alles überrollen. Tagtäglich sehen wir uns einer Flut an menschlichen Dramen ausgesetzt, von der viele überfordert sind.   (Pixabay.de-Foto, Creative-Commons-CC0-Lizenz)

Auch Berichte über tödlich ausgehende Verkehrsunfälle, entführte Menschen oder misshandelte Kinder wecken in manchen Menschen ein Gefühl des Überfahrenseins. Als "klassische Hilflosigkeitssituation“ beschreibt der Psychologie-Professor Jürgen Margraf solche und ähnliche Fälle in einem Artikel der Deutschen Presse-Agentur (dpa) über das„Trump-Tief der Deutschen“ (November 2016).



Ausgeliefert und machtlos und hilflos


Das Gefühl, ausgeliefert zu sein. Das Gefühl, dass die ganze Welt unwirklich geworden ist und einen nicht mehr erreicht, als sei sie hinter einem Nebelschleier versteckt. Das Gefühl, nichts, aber auch gar nichts, tun zu können, was die aktuelle Lage verändert. Von diesen und ähnlichen Zuständen berichten auch Trauernde oftmals. Aber eben nicht nur sie – auch die Konsumenten von Nachrichten aller Art erleben, wenn auch in einer geringeren Dosis, eine ähnliche Reaktion auf das, was sie da hören. Es ist alles so schrecklich... Es kann doch alles gar nicht wahr sein. Wird dann oft gesagt. Und so wird es auch erlebt.  


Was hilft gegen Nachrichtenüberforderung?


Was kann helfen? Schon 2011 hatte ich das Thema der „Nachrichtenüberforderung“ und der dadurch geweckten Ängste mit einer Psychologin und Buchautorin besprechen können – in Form eines Interviews für die „Osnabrücker Nachrichten“. Was die in Bad Essen lebende Dr. Elisabeth Mardorf damals an Tipps parat hatte, ist noch immer hilfreich.


Der Mensch im Strudel der Medieneinwirkung - mögen auch viele auf die "Lügenpresse" schimpfen, die sozialen Netzwerke und die persönlichen Filterblasen sind doch heute oft viel wirkmächtiger als jede Presse. Kann man sich diesem Sog enziehen?  (Pixabay.de-Foto, Creative-Commons-CC0-Lizenz 

Zum Beispiel das simple Darüber-Reden: „Wenn man das Gefühl hat, man wird überwältigt und ohnmächtig von einem Durcheinander an Ängsten, dann ist es schon sinnvoll, dass man mit diesen Gefühlen nach außen geht.“ Deshalb sollte eine zentrale Frage lauten: „Mit wem kann ich sprechen über meine Ängste? Manchmal ist ja alleine schon das Darüber-Sprechen eine Entlastung.“ Hilfreich dabei ist es vor allem, der Vielfalt der Ängste auf die Spur zu kommen. Denn das hat sicher schon jeder einmal erlebt: 


Was immer hilft: Sich verstanden fühlen. Ganz. 


Dass sich aus Ängsten so eine Art diffuse Ursuppe zusammenbraut, in der sich vieles vermischt. Das kennen wir alle, oder? In einem E-Mail-Dialog mit einer guten Freundin habe ich neulich noch über "unsere Angst" geredet. SIngular. Dann entschlossen wir, diesen Dingen mal konkreter nachzuspüren. Und siehe da, am Ende waren es 12 und mehr verschiedene Ängste vor ganz unterschiedlichen Dingen - Plural. Große und kleine Ängste, alle durcheinander, aber als empfunden als ein "großes Ganzes".  


Die Weltenlage einfach mal aushalten, so wie sie ist


Und das kann auch bei dem Gefühl, von der Weltlage überfahren zu sein, hilfreich sein: Wer seine Ängste (mit-) teilen kann, sich in ihnen verstanden fühlt, der wird eher in die Lage kommen, die Weltenlage so aushalten zu können, wie sie nun einmal ist (und zu akzeptieren, wo die Grenzen sind, wo man nichts mehr tun kann). Es kann sicher niemals schaden, seine Ängste (und alle anderen Gefühle) offen anzusprechen. Das geschieht noch viel zu wenig. Das gilt übrigens auch für Trauernde: Viele erleben es den Angaben von erfahrenen Begleitern zufolge immer wieder als ungemein hilfreich, wenn sie sich einfach verstanden fühlen, wenn sie frei von der Leber einfach über alles sprechen dürfen, ohne das Gefühl haben zu müssen, sich beschränken zu müssen.


Aleinesein ist hilfreich - jedenfalls bei Nicht-Trauernden


Ein weiterer wichtiger Tipp der Psychologin - wenn auch nur bedingt für Trauernde geeignet: Immer wieder auch das Alleinesein suchen – also als qualitätsvolles und gesundes Alleinesein. „Sich jeden Tag ein paar Minuten nur für sich selbst zu nehmen, ganz egal, wie voll der Alltag ist. Das ist ein erster Schritt: Einen Termin mit sich selber einfach in den Tagesplan einzubauen, als wäre es ein offizieller Termin“, sagte Elisabeth Mardorf damals . „Wie man diese Minuten füllt, kann von Mensch zu Mensch ganz verschieden sein. Der eine geht joggen, der andere spazieren, wieder andere halten gern ein kleines Schläfchen, meditieren oder praktizieren eine Entspannungsmethode – oder 20 Minuten Tagebuch schreiben. Es geht einfach drum, eine Zeit am Tag mit sich alleine zu sein. 20 Minuten ist ein guter Zeitraum, das kann eigentlich jeder ganz gut in seinen Tag unterbringen“ (hier geht es zum kompletten Interview). 

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Mehr Infos gibt es hier

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Samstag, 7. Januar 2017

Vorträge, Seminare, vielleicht auch ein Kennenlernen? - Ein persönlicher Ausblick auf das weitere Jahr 2017 und herzliche Einladungen

Osnabrück (eb) - Das erste Quartal dieses Jahres 2017 stand ganz im Zeichen von Vorträgen, Workshops und neuen Kontakten zum Thema Trauer. Mitte Februar durfte ich zum ersten Mal einen Vortrag in Sachen Trauerbegleitung halten (und ein klitzeklein bisschen Lampenfieber hatte ich ja schon). Das war, sozusagen, die inoffizielle Premiere, weil es sich dabei zwar um einen Vortrag vor einem recht großen Publikum gehandelt hat, es sich aber um eine nichtöffentliche Veranstaltung handelte, die nicht für jeden zugänglich war. Das wird aber im Oktober wieder anders sein. Denn in diesem Jahr wird es für mich noch mehrmals die Möglichkeit geben, Vorträge halten und Seminare anbieten zu können. Wobei zwei Themen gleichzeitig im Fokus stehen: Vom Umgang mit der Trauer. Und vom Umgang mit Trauernden. 

Denn manchmal brauchen auch Angehörige, Freunde oder Bekannte ein paar Impulse und Anregungen, wie sie mit langfristig Trauernden am besten umgehen können - oder auch nur etwas Verständnis für die Besonderheit ihrer Situation. Die Vorträge und Seminare richten sich also sowohl an Menschen, die einen Verlust erlitten haben als auch an Menschen, die mit Menschen zu tun haben, die einen Verlust erlitten haben. Damit einher geht für mich die Hoffnung und die Idee, in beidseitigem Kontakt auch bei beiden Menschen ein wenig mehr Verständnis füreinander wecken zu können und neue Möglichkeiten zu finden, miteinander im Kontakt zu bleiben oder in den Kontakt zu kommen. Hier ist die Übersicht der Termine: 


Einer der Veranstaltungsorte in 2017 ist die Volkshochschule an der Bergstraße in Osnabrück - geplant sind ein Vortragsabend und ein Seminar.   (VHS-OS-Pressefoto) 

Ein öffentlich zugänglicher Vortrag fand am 1. März 2017 (Mittwoch, 19 Uhr) statt. Dieser fand in der Volkshochschule Osnabrück statt. "Trauer verstehen und teilen" ist der Titel. Im Mittelpunkt standen die Unsicherheiten, die es im Umgang mit Trauer oft gibt. Bei den Trauernden selbst - aber auch bei Angehörigen, Freunden oder Nachbarn. Der Vorschlag der WHO, eine länger als ein paar Wochen dauernde Trauer als Krankheit auszuweisen, wird von Trauer-, Hospiz- und Palliativexperten zurückgewiesen. Ziel dieses Vortrags ist es, erste Impulse für einen angemessenen und kreativen Umgang mit den eigenen Gefühlen zu setzen und dazu beizutragen, Trauernde und deren engeres Umfeld in einem neuen Verständnis wieder enger zusammenrücken zu lassen.  Der Vortrag richtet sich neben Trauernden auch an alle, die das Thema interessiert. Weitere Infos: hier klicken.


Weiter ging es ebenfalls im März 2017 - dann allerdings wieder in Form eines nichtöffentlichen Workshops, den ich für die ehrenamtlichen Seniorenbegleiter des Landkreises Osnabrück gehalten habe. Es war ein sehr offener und sehr konzentrierter Workshop ein einer sehr guten Arbeitsatmosphäre, der eingebettet war in das Programm des Treffens der in der Region Osnabrück aktiven ehrenamtlichen Seniorenbegleiter (geschlossene Gruppe, Landvolkhochschule Oesede).



Das neue Programm der Volkshochschule Osnabrück liegt derzeit kostenlos zur Mitnahme an vielen Orten aus, unter anderem bei den Sparkassen. Darin finden sich diese zwei Einträge....   (Thomas-Achenbach-Foto)


Nun steht Mitte Mai erstmal wieder ein Besuch auf der Messe "Leben und Tod 2017" in Bremen auf dem Programm, wo ich in meiner Dreierfunktion als Berichterstatter für die Presse, als Blogger sowie als Trauerbegleiter unterwegs sein werde. Dort allerdings nur als Gast und nicht als Vortragender.

Und nach einer Sommerpause geht es dann im Herbst weiter, wiederum mit einem Vortrag, ganz konkret am 25. Oktober (Mittwoch, 19 Uhr) in Bad Laer im dortigen Gesundheitszentrum am Grünen Weg. Auch in diesem Vortrag stehen die zuvor genannten Themen im Mittelpunkt, weitere Informationen sind zurzeit noch nicht verfügbar, sollen aber alsbald über die Website des dahinterstehenden Netzwerkes unter www.gesundes-netzwerk.info verfügbar sein. 

Vielleicht ist ja ein passender Termin dabei für ein persönliches Kennenlernen, vielleicht ergibt sich ein Gespräch am Rande oder die Möglichkeit für einen weiteren Kontakt - alle Leser sind jedenfalls sehr herzlich eingeladen. 

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Mehr Infos gibt es hier

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Ebenfalls auf diesem Blog: "Sei doch bitte wieder normal" geht leider gar nicht - Trauernde brauchen langfristiges Verständnis ohne Ziele 

Ebenfalls auf diesem Blog: Zehn Tipps für einen hilfreichen Umgang mit Trauernden - für Angehörige, Freunde und Kollegen

Und im Kultur-Blog: Theater kosten den Steuerzahler einfach zuviel Geld... ist das wirklich so? Und woher kommt die Theatersubventionierung eigentlich?