Sonntag, 29. Mai 2016

Ein Trauermarsch aller Eltern, die ein Kind verloren haben - wie ist der "Walk To Remember" am 29. 7. 2016 in Frankfurt geplant, wer kann teilnehmen und was sind die Hintergründe? Ein Interview...


Osnabrück/Frankfurt am Main - Eine Premiere in Deutschland: Wenn am 29. 7. (Fr., ab 17 Uhr) in Frankfurt am Main der „Walk To Remember“ stattfindet, gehen dort Eltern aus der ganzen Welt in einem  Trauermarsch über die Straßen, um diesen gemeinsamen Gang dem Gedenken ihrer gestorbenen Kinder zu widmen... 

Hintergrund ist der parallel in Frankfurt stattfindende Kongress des internationalen Netzwerks „The Compassionate Friends“, einer weltweit aktiven Vereinigung von Eltern, die ein Kind verloren haben. Aber wie ist das Ganze geplant, wie soll es stattfinden - und, vor allem, wer darf teilnehmen? Die deutsche Mit-Organisatorin der Veranstaltung, Karin Grabenhorst, hatte auf der Messe "Leben & Tod 2016" einen Vortrag darüber gehalten. Im Interview mit diesem Blog gibt sie Auskunft darüber. Das Interview wurde in zwei Durchläufen per E-Mail geführt. 


Karin Grabenhorst ist eine der Mit-Organisatorinnen der Tagung "Mourning In Motion" in Frankfurt, zu der der "Walk To Remember" ebenfalls gehört.     (Björn-Buder-Foto mit freundlicher Genehmigung)


Karin Grabenhorst, wenn am 29. Juli in Frankfurt eine große Tagung des internationalen Trauer-Hilfs-Netzwerks "The Compassionate Friends" startet, dann ist an diesem ersten Tag der Tagung ein wesentlicher Bestandteil ein "Walk To Remember", ein Trauermarsch all der Eltern, die ein Kind verloren haben. Wie muss ich mir das vorstellen?

Karin Grabenhorst: Der "Walk to remember" steht als deutlich sichtbares Zeichen dafür, dass diejenigen, die um ein Kind trauern, nicht allein ihren Weg durch die Trauer gehen müssen, sondern dass es "mitfühlende Freunde" gibt (das ist die Übersetzung von The Compassionate Friends), die mit ihnen gehen - und das weltweit! Wie tröstlich das ist, in einer so großen Schicksalsgemeinschaft unterwegs zu sein, habe ich selbst 2012 in Costa Mesa /USA bei der letzten internationalen Tagung so erlebt. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Tagung unter dem Motto "Mourning in Motion - Trauer in Bewegung" steht (Anmerkung des Blogautoren: Anmeldeschluss ist am 31. 5. 2016, spannendes Workshop- und Vortragsprogramm). Es war meine Idee, auch hier deutlich zu machen, dass "Trauer" in Bewegung gekommen ist und immer weiter aus der Tabuzone herausgeholt wird: Inzwischen als Forschungsgegenstand an Universitäten, Gründungen von Netzwerken und Selbsthilfegruppen.   

Und wie ist das Ganze geplant?

Karin Grabenhorst: Konkret treffen wir uns am 29.7.16 um 17.15 h Uhr vor dem Hotel InterContinental in Frankfurt, wo die Tagung "Mourning in Motion - Trauer in Bewegung" stattfindet. Alle TagungsteilnehmerInnen, dazu gehören auch die ReferentInnen und diejenigen, die sich - angesprochen durch die Presse - spontan mit "auf den Weg machen wollen", gehen den Weg zum Eisernen Steg und besteigen dort ein Schiff zu einer Fahrt auf dem Main. Da wir alle grüne T-Shirts mit Logo und Namen des Kindes tragen, um das wir trauern, wird sich ein grünes Band am Mainufer entlang ziehen, bis "alle in einem Boot"  auf dem Main schippern. 

Viele Eltern könnten sich sicher vorstellen, an dem Trauermarsch teilzunehmen, aber nicht unbedingt an der Tagung - ist das möglich und an wen müssten Sie sich wenden, wenn?

Karin Grabenhorst: Der Walk to Remember ist eine öffentliche Veranstaltung, genauer eine Demo, da ist keine Anmeldung erforderlich. Der Treffpunkt ist vor dem Hotel InterContinental um 17.15.Uhr. Im Foyer halten wir einige wenige T-Shirts für diejenigen vorrätig, die sich noch spontan entscheiden, dazuzukommen und auch die Main-Schifffahrt mitzumache. Offiziell endet der Anmeldeschluss am 31. 5. 2016, auch für Tagesanmeldungen. 

Es ist ja erstaunlich, dass so etwas ausgerechnet im Sommer stattfindet und mal nicht an den "traurigen Tagen im November" - ist das Absicht?

Karin Grabenhorst: Es ist Tradition, die Internationale TCF-Tagung mitten im Sommer stattfinden zu lassen. Die meisten internationalen TeilnehmerInnen verbinden die Teilnahme an der Tagung mit einem Besuch des Gastlandes. Und Deutschland im November ist ja auch nicht wirklich einladend... Außerdem sind im November alle aktiv in Vorbereitung des Worldwide Candle Lighting und werden in ihren Trauergruppen gebraucht - eben wegen der traurigen Tage im November...

Für alle Leser, die damit nichts anfangen können - was genau ist das "World Wide Candle Lighting"?

Ein Lichterband umspannt die ganze Welt - das ist die Idee des weltweiten Gedenktages an verstorbene Kinder.  (Thomas-Achenbach-Foto)
Karin Grabenhorst: Jedes Jahr findet am 2. Sonntag im Dezember der Weltgedenktag für die verstorbenen Kinder, das Worlwide Candle Lighting statt, ins Leben gerufen durch The Compassionate Friends. Hier findet die sichtbare Verbundenheit aller Menschen weltweit, die um ein verstorbenes Kind trauern, seinen berührendsten Ausdruck: Eltern, Geschwister, Großeltern, Angehörige und Freunde stellen um 19 Uhr zeitzonenversetzt ein Licht für die Kinder in die Fenster. So zieht sich das Lichterband in 24 Stunden um die ganze Welt für die Kinder, mit ihrem Leben die Welt erhellt haben und immer noch in das weitere Leben strahlen. Dieses Bild hat mich so inspiriert, dass ich mein Lied "So weit vor deiner Zeit" in viele Sprachen übersetzen ließ und die internationale Version "Long before your time" entwickeln konnte - jeder Kontinent ist vertreten, und viele Menschen waren daran beteiligt. Auch aus diesem Grund kam ich ins Internationale Komitee der TCF. 

Die Compassionate Friends sind wie der Bundesverband der verwaisten Eltern und Geschwister ein Zusammenschluss von Eltern, die Waisen geworden sind - ist die deutsche Vereinigung so etwas wie der "Kleine Bruder"?

Karin Grabenhorst: Wenn Sie auf die Größe der beiden Länder anspielen: Bei der letzten internationalen Tagung in Costa Mesa/USA habe ich 2012 erlebt, wie sich die Mitglieder einer großen Weltfamilie umeinander gekümmert haben, miteinander trauerten, gemeinsam weinten und auch lachten, das LEBEN mit dem verstorbenen Kind - oder der verstorbenen Kinder - in den Mittelpunkt stellten und sich dabei unterstützten, und das generations- und kontinentübergreifend. Gleichwohl ist die Mitgliederzahl in den USA natürlich um ein vielfaches höher, nicht nur bedingt durch die Größe des Landes, auch weil viele Kinder - anders als bei uns - in Kriegen und bei Naturkatastrophen ums Leben kommen. 

Bei der Tagung, die Sie da organisieren, bieten Sie ein qualitativ hochwertiges Programm auf dem Niveau der "Leben und Tod" in Bremen, sehen Sie da keine Konkurrenzgefahr?

Karin Grabenhorst:  Nein, überhaupt nicht: Die "Leben und Tod" in Bremen ist eine Messe, dort gibt es immer ein umfangreiches Vortrags- und Workshop Programm, parallel dazu bieten kommerzielle Aussteller ihre Produkte an. Bei unserer Tagung (oder, um den englischen Begriff "Gathering" = "Zusammenkunft" zu verwenden) ist die Begegnung der weltweiten LändervertreterInnen der Institutionen, die Trauernde nach dem Tod eines Kindes begleiten und, wie in Deutschland, sich auch politisch und wissenschaftlich positionieren. Diese LändervertreterInnen sind oft selbst vom Tod eines Kindes betroffen, es ist wie der Austausch von Selbsthilfeorganisationen. Hier sah ich die Chance, dass wir neben dem Netzwerk-Ausbau erstmalig in den Austausch darüber gehen, wie in anderen Ländern und Kulturen Trauernde nach dem Tod eines Kindes (egal, wie alt und durch welche Ursache es es ums Leben kam) begleitet werden.

Warum ist dieser Austausch so wichtig?

Karin Grabenhorst: In den letzten Jahren ist viel in Bewegung gekommen - gleichzeitig ist Tod und Trauer, insbesondere nach dem Tod eines Kindes, gesellschaftlich immer noch sehr tabuisiert. Um an dieser Stelle zu schauen, was inzwischen gut auf den Weg gekommen ist, wo wir in der Trauerbegleitung voneinander lernen können (Best Practice) und wo Forschung und Lehre stehen, fand ich das Motto "Mourning in Motion - Trauer in Bewegung". 

Haben Sie einen Tipp für alle, die mit trauernden Eltern im Umfeld zu tun haben - wie sollten Sie ihnen begegnen, was brauchen Menschen in einer solchen Situation?

Karin Grabenhorst: EINEN Tipp? Das schaffe ich nicht...   

(... und was Karin Grabenhorst dann im Folgenden alles mitgeschickt hat, ist so lesenswert und wertvoll, aber auch so lang, dass es einen ganz eigenen Blogbeitrag an anderer Stelle wert ist... - demächst also mehr dazu auf diesem Blog.)

Zur Person: Karin Grabenhorst ist Vorstandsmitglied im Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V., außerdem ist sie im International Comitee of The Compassionate Friends( TCF). Grabenhorst bietet gestaltende Lebens- und  Trauerbegleitung, Projekte über Leben und Tod, Abschied, Trauer und Hoffnung und ist die Autorin von "Siris Reise oder Wo ist der Weg zur Ewigkeit?" mit eigenen Illustrationen, erschienen beim SANTIAGO VERLAG, Goch.

Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung in Osnabrück sowie im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Mehr Infos gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Was bringt eigentlich Trauerbegleitung? Was kann sie leisten und was nicht? Ein Interview. 

Ebenfalls auf diesem Blog: Zehn Tipps für einen hilfreichen Umgang mit Trauernden - für Angehörige, Freunde und Kollegen

Und im Kultur-Blog des Autors: Weltweit einmalig: Warum gibt es in Deutschland eigentlich so viele Theater - und die Subvention? Wie kommt das?

Ist eine der Organisatorinnen der Tagung "Mourning In Motion" - die in Deutschland arbeitende Karin Grabenhorst.   (Thomas-Achenbach-Foto)


Dienstag, 24. Mai 2016

Wenn Trauer sichtbar auf der Haut getragen wird - Ausstellung widmet sich dem Phänomen der "Trauer-Tattoos" - Gesucht sind noch weitere Ausstellungsorte



Die Fotos zeigen die Tattoos der Menschen, kurze Texte erklären den Hintergrund - in der Ausstellung "Trauertattoo - unsere Haut als Gefühlslandschaft".    (Thomas-Achenbach-Foto)

Osnabrück/Bremen – Was diese Menschen durchmachen, geht unter die Haut. Das sieht man. Und sie sind damit in guter Gesellschaft: Dem Phänomen der „Trauer-Tattoos“ widmet sich jetzt eine neue Ausstellung, die die in Halle lebende Künstlerin Stefanie Oeft-Geffarth zusammen mit der TV-Journalistin Katrin Hartig geschaffen hat und die jetzt durch das Land ziehen soll (weitere Ausstellungsorte werden noch gesucht, dazu später mehr). Die beiden waren einem gesellschaftlichen Trend auf der Spur – und wurden fündig. Auf der Messe „Leben und Tod 2016“ stellten die beiden ihr Projekt erstmals der Öffentlichkeit vor und sprachen auch mit dem Autoren dieses Blogs darüber. Was hier zu sehen ist, geht tatsächlich - unter die Haut.

Auf Anregung der TV-Journalistin und Trauerbegleiterin Katrin Hartig hatte Oeft-Geffahrt Menschen fotografiert, die ihre Trauer auf der Haut tragen – in Form eines Tattoos. Hartig war aufgefallen, dass es sich dabei um ein erstaunlich weit verbreitetes Phänomen handelt, das sogar von Menschen zelebriert wird, die mit Tattoos sonst nichts am Hut haben. Gemeinsam machten sich die beiden deutschlandweit auf die Suche nach Trauer-Tätowierten zum Interviewen und Fotografieren – dabei halfen ihnen die sozialen Netzwerke. Zwei Jahre dauerte die Arbeit, die sie in Form einer Recherche-Reise durch ganz Deutschland führte. Sie führte zu zwei Ergebnissen.


Die Macherinnen des Projektes: Die Künstlerin und Fotografin Stefanie Oeft-Geffarth (links) und die TV-Journalistin Katrin Hartig, zugleich Mitglied im deutschen Bundesverband verwaister Eltern.  (Thomas-Achenbach-Foto)

Eines davon sind 22 große Displays, auf denen in großformatigen Bildern die Menschen und ihre Tattoos gezeigt sowie ihre Geschichten erzählt werden. Das zweite Ergebnis ist ein die Ausstellung begleitendes Buch, das über den Online-Shop der Künstlerin erhältlich ist. Das Projekt wirkt auch ohne Tattoo-Affinität: Die Geschichten, die hier zu sehen und zu lesen sind, berühren den Betrachter. 


Handabdruck des gestorbenen 3-Jährigen als Tattoo


Da ist beispielsweise die Frau, die sich ein Bildnis des gestorbenen Kindes auf den Oberarm hat stechen lassen. Oder der Mann, der sich eine bis zur Zahl 13 zurücklaufende Sanduhr als Motiv ausgesucht hat, weil seine Tochter in diesem Alter gestorben ist. Oder die trauernde Mutter Kerstin Hau, die eine Kinderzeichnung und einen Handabrucks ihres im Alter von 3 Jahren gestorbenen Sohnes Charlie auf der Haut trägt. Aber auch in anderer Hinsicht macht ein Tattoo als Ausdruck der Trauer erstaunlich viel Sinn: "Ich kann mit der Hand über die Stelle streichen und fühle mich dann mit dem Gestorbenen oder dem Gefühl verbunden", sagte die TV-Journalistin Katrin Hartig im persönlichen Gespräch mit dem Blog-Autoren auf der Messe "Leben und Tod". Und Stefanie Oeft-Geffarth ergänzte: "Das Stechen des Tattoos ist ja auch ein Schmerz, aber eben einer, der mit dem Trauerschmerz selbst nicht vergleichbar ist - das ist nicht adäquat."


Eine "Trauernadel" als Schmuckstück - dezent, aber sichtbar


Die Künstlerin hatte zuvor mit ihrer „Trauernadel“ für Interesse gesorgt. Das kleine Schmuckstück, das an Blazer oder Sakko oder der Bluse getragen werden kann, soll eine moderne Interpretation dessen sein, was als „Trauerflor“ bis in die 70er Jahre hinein gang und gäbe war: Wer in Trauer war, der zeigte das auch. Entweder durch das Tragen von schwarzer Kleidung oder durch das Anbringen einer kleinen schwarzen Binde, des so genannten Trauerflors. Heutzutage ist das beinahe undenkbar, doch das Bedürfnis danach ist ungebrochen, hat Stefanie Oeft-Geffarth beobachtet. Während die Trauernadel weiterhin in verschiedenen Varianten erhältlich ist, soll die Ausstellung der Tattoos ihre Reise durch die Republik antreten. Wo es hingeht, kann noch mitgestaltet werden...


Die "Trauernadel" kann als dezenter Schmuck getragen werden und ist eine moderne Interpretation des früher traditionell getragenen Trauerflors.  (Thomas-Achenbach-Foto)


Ausstellungsorte gesucht: Kirchen, Rathäuser, Hospize etc.


Denn für die Ausstellung „Trauertattoo – unsere Haut als Gefühlslandschaft“ werden noch mögliche Ausstellungsorte wie z. B. Kirchen, Rathäuser, Bibliotheken, Hospize etc. gesucht. Infos und Kontakt sind über die E-Mail-Adresse kontakt@convela.eu möglich. 

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Die Kunden müssen die Bestatterbranche bewegen, nicht umgekehrt - ein Plädoyer für eine modernere Bestattungskultur

Ebenfalls auf diesem Blog: Ein Dialog über das "Nachsterben wollen", den Wunsch nach dem eigenen Tod - zwei Trauerbegleiter unterhalten sich

Ebenfalls auf diesem Blog: Was soll nach einem Todesfall gefeiert werden? "Nur" der Todestag - oder auch noch der Geburtstag des gestorbenen Menschen?

Und im Kultur-Blog des Autors: Genug gemeckert, wir sollten froh sein über unsere Theater - eine Liebeserklärung und eine Lobpreisung zum Welttheatertag

Donnerstag, 19. Mai 2016

Trauerredner sind nicht länger an 19 Prozent Mehrwertsteuer gebunden - Urteil des Bundesfinanzhofs: 7 Prozent gelten für "Ausübende Künstler" - und damit für Trauerredner, solange sie "Kunst" schaffen (mit Update 2017)

Osnabrück/München - Auch Trauerredner bzw. Hochzeitsredner können von der ermäßigten Mehrwertsteuer von nur 7 Prozent für ihre Abrechnungen und bei der Steuererklärung profitieren, wie sie in § 12 II Nr 7a im Umsatzsteuergesetz geregelt ist. Das macht jetzt ein neues Urteil des Bundesfinanzhofs deutlich, über das jetzt parallel die "Neue Juristische Wochenschrift" (NJW) aus dem renommierten Verlag C.H. Beck aus München in ihrer Ausgabe 11/2016 (erschienen im März 2016) sowie die Internetplattform datev.de berichten. Das Urteil vom 3. 12. 2015 trägt das Aktenzeichen V R 61/14, Bundesfinanzhof  München. Wichtig sei jedoch, dass die Reden jeweils eigene Schöpfungen ohne Schablonencharakter seien, sagt das Gericht. Doch wie kam es dazu?


Wer eine Trauerrede hält und die Trauerfeier gestaltet, darf vom ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent profitieren, sagt ein Urteil des Bundesfinanzhofs, von dem die Zeitschrift "Neue Juristische Wochenschrift" berichtet. (Das Foto zeigt eine Bibel in der neu gestalteten Kapelle des Hauses Ohrbeck bei Osnabrück - Thomas-Achenbach-Foto)

Anlass hierfür war die Klage eines evangelischen Theologen, der in seinen Umsatzsteuererklärungen stets den reduzierten Mehrwertsteuersatz angegeben hatte, was ihm das zuständige Finanzamt nicht durchgehen lassen wollte. Dagegen hatte der Mann, der dem Bericht der NJW zufolge Hochzeits-, Geburtstags-, Trennungs- und Trauerreden hält und seinen Kunden im Nachgang ein schriftliches Redemanuskript übermittelt, Klage beim Finanzgericht Nürnberg eingericht. Danach ging der Fall durch die Instanzen.


Strittig war in der Rechtsauseinandersetzung vor allem die Frage, ob wegen des Nicht-Erhebens eines Eintrittsgeldes bei Trauerfeiern und ähnlichen Veranstaltungen bei den Rednern von "Ausübenden Künstlern" gesprochen werde könne oder nicht. Hier sagt der Bundesfinanzhof, wie von der Zeitschrift NJW zitiert, nun eindeutig: "Die fehlende "Eintrittsberechtigung" der Teilnehmer von Hochzeits- und Trauerfeierlichkeiten steht der Steuerermäßigung nicht entgegen. Auch setzt sie kein "Kulturangebot" an die Öffentlichkeit voraus".

Das Nürnberger Gericht hatte die günstigere Mehrwertsteuer auch mit der Begründung abgelehnt, Trauerfeiern und ähnliche Veranstaltungen richteten sich an einen geschlossenen Personenkreis - dem sei zu widersprechen, sagt nun der Bundesfinanzhof, denn gerade Trauerfeiern seien öffentliche Veranstaltungen, zu denen Nachbarn und andere Bekannte kämen und bei denen im Falle eines gestorbenen Prominenten zudem eine größere Öffentlichkeit teilnähme.

Der Bundesfinanzhof verweist auf eine Rechtsprechung des Bundesverfassungsgericht, derzufolge das Wesen einer künstlerischen Tätigkeit alleine in der freien schöpferischen Gestaltung läge, in der Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse des Künstlers durch das Medium einer Formensprache zu unmittelbarer Anschauung gebracht werde, wie die Zeitschrift aus dem Verlag C.H.Beck weiter schreibt. 

Übersetzt für den Fall eines Trauerredners könnte das also bedeuten: Wenn er seine ganz eigenen Eindrücke des Gestorbenen so vermittelt, wie er sie im Trauergespräch erlebt hat, schafft er eine eigene Kunst - und eben nicht ein schablonenartig Gleiches und sich stets Wiederholendes. Somit darf er sich als "ausübenden Künstler" bezeichnen und damit wiederum den günstigeren Steuersatz geltend machen. 

Update im März 2017: Wie sich aktuell zeigt, scheinen die Finanzämter des Landes dieses Urteil und seine Zwinglichkeit jeweils anders auszulegen. So berichtete eine Trauerrednerin aus Thüringen bei einem Telefonat, dass es dort wohl Probleme in der Anerkennung gäbe, weil das Urteil als Einzellfall und als nicht maßgeblich ausgelegt würde, während ihr Trauerrednerkollegen aus anderen deutschen Gebieten teils unterschiedliche Rückmeldungen gegeben hätten.

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Ebenfalls auf diesem Blog: Zehn Tipps für einen hilfreichen Umgang mit Trauernden - für Angehörige, Freunde und Kollegen

Ebenfalls auf diesem Blog: Keine Sorge, alles normal - was Trauernde in einer Verlustkrise alles so tun und warum einem das nicht peinlich sein sollte

Und im Kultur-Blog des Autors: Genug gemeckert, wir sollten froh sein über unsere Theater - eine Liebeserklärung und eine Lobpreisung zum Welttheatertag

Mittwoch, 18. Mai 2016

Wie funktioniert Trauerbegleitung, was bringt Trauerbegleitung - und was können Trauernde erwarten? Ausführliches Interview mit Christine Stockstrom, ehemalige Vorsitzende des Bundesverbands Trauerbegleitung (1/3)

Christine Stockstrom, Sie sind zu diesem Zeitpunkt - im Jahre 2016 - die Vorsitzende des Bundesverbands Trauerbegleitung… (in dem der Autor dieser Zeilen ebenfalls Mitglied ist). Was kann eigentlich Trauerbegleitung – und was kann sie nicht?

Christine Stockstrom: Trauerbegleitung kann Raum öffnen für die Trauer. Sie kann helfen, Gefühle zu sortieren und zuzulassen. Sie kann helfen, die Trauer ins Fließen zu bringen. Was sie nicht kann, ist die Trauer verschwinden zu lassen, den Verstorbenen zu ersetzen oder Menschen bewusst verändern im Sinne des Erreichens von Zielen. Das Allerwichtigste ist wirklich, den Trauernden Zeit und Raum zu geben, damit die Trauer auch fließen kann.

Die Trauer aus dem Leben verschwinden zu lassen wäre vermutlich auch gar nicht hilfreich, oder?

Christine Stockstrom: Nein, aber das ist manchmal die Vorstellung, mit der Trauernde in eine Begleitung kommen. Ich habe schon einmal erlebt, dass mir eine Dame sagte, ja, ich würde gerne in eine Trauerbegleitung kommen – und danach soll es mir gut gehen. Und ich glaube, das geht nicht. Der Begleiter kann vielleicht dabei behilflich sein, mit der Trauer leben zu lernen. Mehr geht nicht.

Wenn es keine Ziele gibt, dass läuft der Prozess also nicht wie bei einem Coaching, bei dem ganz konkret auf ein Ergebnis hingearbeitet wird. Das bedeutet also, dass eine Trauerbegleitung auch nur bedingt ein ressourcenorientiertes Arbeiten sein kann?



Christine Stockstrom, aufgenommen auf der Messe "Leben und Tod" 2016 - im Interview verrät sie etwas zur Frage: Was bringt Trauerbegleitung?  (Thomas-Achenbach-Foto)


Christine Stockstrom: Nein, es geht schon um ressourcenorientiertes Arbeiten. Allerdings ist es bei Trauer ist es oft so, dass die Ressourcen der Menschen für sie selbst verschüttet sind. Da kann es hilfreich sein, wenn ein Begleiter das immer wieder deutlich machen kann, welche Ressourcen jemand zur Verfügung hat. Und ein Begleiter kann hier vielleicht Wege aufzeigen oder dabei helfen, Wege zu finden. Dabei geht es um kleine Schritte, nicht um das Erreichen eines großen Zieles. Eher Schritte zum Überleben ohne den Verstorbenen.

Trauernde sollen bitte wieder "normal sein" - denken Angehörige bald


Werden Trauernde denn nicht auch von ihren Angehörigen und Freunden gut begleitet?

Christine Stockstrom: Ich finde es ganz wichtig, dass Nachbarn und Verwandte und Freude die Trauernden begleiten. Ich erlebe es allerdings ganz oft, dass Trauernde bald alleinegelassen werden, dass Angehörige und Freunde ungeduldig werden oder dass sie in eine bestimmte Ecke drängen wollen.

In welche Ecke denn?

Christine Stockstrom: Sie sollen bitte wieder „normal funktionieren“. Diese Anspruchshaltung steht oft schnell im Raum. Das extremste Beispiel, das ich einmal erlebt habe, ist eine junge Frau, deren Bruder innerhalb weniger Tage an einer seltenen Krebserkrankung verstorben ist. Die Todesnachricht hat sie am Vormittag bekommen – und am Abend haben die Angehörigen wörtlich zu ihr gesagt, so, jetzt krieg‘ Dich wieder ein. Ich erlebe auch Arbeitgeber oder Verwandte und Freunde, die im Zeitraum bis zu einer Beerdigung sehr verständnisvoll sind, vielleicht auch noch ein paar Wochen danach, aber dann rasch erwarten: Sei doch bitte so, wie Du vorher warst, dann können wir leichter mit Dir umgehen.

Wie kommt das? Ist es für Nicht-Betroffene zu schwer vorstellbar, wie Trauernde sich fühlen?

Christine Stockstrom: Das kann aus einer Hilflosigkeit entstehen, aus einem „Nicht umgehen können“ mit der Trauer, oft sind es auch eigene Ängste, die im Weg stehen. Für die Trauernden ist der Zeitpunkt bis zur Beerdigung mit viel Aktionismus gefüllt. Ein wirkliches Begreifen, was der Tod bedeutet, setzt da erst später ein. Das ist das Gemeine daran: In dem Moment, in dem ich das wirklich begreife, fängt es für die anderen oft an, lästig zu werden. Und um den Trauernden nicht zusätzlich zu belasten, sprechen die Freunde und Angehörigen oft gar  nicht weiter über den Verstorbenen. Das ist für viele Trauernde eine große Kränkung. Wo sollen sie dann bleiben mit ihrem Wunsch, sich neu zu sortieren?

Im Grunde ist doch in Deutschland alles genormt. In allen Krankenhäusern gilt das psychologische Regelwerk DSM 5, ein internationales Manual, in dem steht: Trauer darf zwei Wochen dauern. Wenn sie dann noch nicht vorbei ist, darf ich als Arzt Antidepressiva verschreiben.

Christine Stockstrom: Das ist eine völlige Verkehrung der Situation. Es ist ganz normal, dass eine massive Trauerreaktion erst später einsetzt – das kann 14 Tage dauern oder sogar sechs Wochen. Früher hat man vom Trauerjahr gesprochen. Das hatte schon seinen Sinn. Aber selbst nach einem Jahr ist nicht immer alles gut. Ich kenne Trauernde, die brauchen viel, viel länger. Aber sie können am Leben wieder teilnehmen, können die Trauer als einen Teil von sich akzeptieren. Und das muss doch unser Ziel sein.


Wie lange darf Trauer dauern - und was ist "normal"?


Es gibt also eine Trauer, die sehr lange dauern kann, ohne pathologisch oder manifestiert zu sein?

Christine Stockstrom: Ich bin da ganz vorsichtig mit diesen Begriffen, weil sie oft nur dazu dienen, andere abzuschreiben und nicht darauf zu gucken, was ein Mensch wirklich braucht. Wenn beispielsweise Eltern ein Kind verlieren, haben sie alles Recht der Welt, ihr Leben lang darum zu trauern.

Das ist doch auch eine gute Aufgabe für den Bundesverband Trauerbegleitung – sich hier entsprechend zu positionieren…

Christine Stockstrom: Ja, das ist etwas, das uns neben der Qualifizierung von Trauerbegleitern sehr am Herzen liegt. Wir möchten auch in diesem Punkt Öffentlichkeitsarbeit machen und möchten bewusst machen, dass Trauer und Sterben etwas ganz Normales ist, was zu unserem Leben dazugehört.

Gibt es Erkenntnisse oder vielleicht sogar Studien darüber, wie hilfreich eine Trauerbegleitung ist?

Christine Stockstrom: Ja, es gibt eine Studie von Prof. Dr. Michael Wissert und seinem Team, die ist 2014 veröffentlicht worden. Sie heißt: Trauer leben. Das wird zusammengeschreiben mit großem E und großem L, es heißt also sowohl Trauer leben als auch Trauer erleben. Diese Studie hat nachgewiesen, dass Trauerbegleitung wirken kann, besonders dann, wenn es um eine erschwerte Trauer geht. Als besonders hilfreich wurde empfunden, dass Trauerbegleiter wirklich zuhören – das war das Allerwichtigste. Ich darf meine Gefühle ausleben und werde darin unterstützt, sie auszudrücken… Das hat viel geholfen.

Gibt es denn Erfahrungswerte, ab wann die Trauernden eine Begleitung in Anspruch nehmen? Wenn ich Ihre Aussagen richtig deute, geschieht das zum Teil noch Monate nach dem Trauerfall?


Individuell gestaltete Särge gab es auf der Messe "Leben und Tod" 2016 zu erleben - die Besucher konnten bei einem Workshop selbst Hand anlegen. Hier im Interview geht es auch um die Fragen: Wann ist eine Trauerbegleitung sinnvoll? Wann lohnt sich Trauerbegleitung?   (Thomas-Achenbach-Foto)

Christine Stockstrom: Ja, aber es geschieht auch zunehmend, dass Menschen sofort kommen. Das Extremste, das ich erlebt habe, war ein Mann, der mich fragte: Meine Frau ist heute gestorben, kann ich morgen bei Ihnen ein Gespräch haben? Die meisten kommen aber tatsächlich erst nach einem Vierteljahr, weil es anfangs noch so viel zu regeln gibt und weil sie davon ausgehen, es selbst tragen zu können – und dann merken sie vielleicht, dass das doch nicht geht.

Wir gehen ja stillschweigend immer davon aus, dass wir es mit Trauer im Kontext von Todeserfahrungen zu tun haben… aber das muss ja gar nicht so sein, es gibt viele Formen von Trauer, auch ganz außerhalb von Tod und Sterben. Kann eine Begleitung auch dann hilfreich sein?

Christine Stockstrom: Natürlich gibt es Trauer außerhalb dieses Kontextes – durch den Verlust eines Arbeitsplatzes, durch die Trennung vom Partner, durch ein gestorbenes Haustier, durch den Verlust von Heimat. Das wird sicher bei vielen Flüchtlingen ein großes Thema sein. Es gibt viele Variationen von Trauer. Wir haben uns allerdings im Bundesverband besonders spezialisiert auf die Trauer nach Tod.

Muss eine Trauerbegleitung immer im direkten Dialog stattfinden? Ginge das nicht auch online, per Chat oder per Mail?

Christine Stockstrom: Ich glaube, dass es da sehr gute Angebote gibt. Ich weiß von einem Angebot aus Oldenburg, wo Jugendliche andere jugendliche Trauernde per Mail begleiten. Und ich glaube auch, dass es andere Formen gibt als das Gespräch. Ich selber kann mir für meine Arbeit allerdings schwer vorstellen, nicht im sozialen und direkten Kontakt zu sein. Ich glaube, dass es den schon braucht.

Weil auch so viel nonverbal geschieht, wenn zwei Menschen sich treffen?

Christine Stockstrom: Ja, genau. Einfach einem Menschen ins Gesicht zu sehen, die Reaktionen im Gesicht zu sehen, das macht ja etwas und bewirkt ja auch etwas.

Gemeinsames Schweigen kann ebenfalls hilfreich sein –  das geht per Mail auch nicht ganz so gut…

Christine Stockstrom:  Schweigen ist wichtig – aber trotzdem im Miteinander zu sein im Schweigen, das geht nur direkt. Trotzdem glaube ich, dass es auch Menschen gibt, für die Internet und E-Mail der richtige Weg sind.

Sie haben das Thema „Flüchtlinge“ erwähnt. Das ist bestimmt ein Umfeld, in dem Menschen mit viel Trauer zu uns kommen. Der Verlust von Heimat, womöglich sogar der Tod von Angehörigen, eine Entwurzelung – da könnte so etwas wie Trauerbegleitung sicher auch hilfreich sein, oder?

Christine Stockstrom: Ja, wobei ich glaube, dass es da noch einer zusätzlichen Qualifizierung bedürfte, weil die kulturellen Unterschiede doch sehr groß sind und nicht allen Menschen vertraut sind. Die menschliche Zuwendung ist sicher hilfreich, aber es kommt auf die Details an. Darf ich als begleitende Frau beispielsweise einen Mann berühren? An solchen Punkten muss man sehr behutsam und achtsam sein für die Werte und die Kultur, die mitgebracht werden, und man muss gucken, dass wir nichts überstülpen, dass wir als hilfreich erleben, was es aber vielleicht nicht ist. Ich glaube, das wird eine Herausforderung.

Sicher auch für den Bundesverband, oder? Sie werden sich hierzu ebenfalls positionieren müssen…

Christine Stockstrom: Ja, das wird kommen.

Nun gibt es ja, zum Beispiel in Hospizen, schon viele ausgebildete Sterbebegleiter. Sind die nicht auch qualifiziert dafür, Trauernde zu begleiten?

Christine Stockstrom: Ich empfinde das nicht so, nein. Das ist ein völlig anderer Prozess mit ganz anderen Nöten und Fragen.

(Aktualisierung im März 2017: Christine Stockstrom hatte sich aus eigenem Wunsch nicht mehr zur Kandidatin für den Vorsitz des Bundesverbands aufstellen lassen und ist seit März 2017 nicht mehr in dieser Funktion tätig, aber noch Mitglied des Verbands.)

Mehr zum Thema gibt es in Teil Zwei des Interviews...


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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Die Kunden müssen die Bestatterbranche bewegen, nicht umgekehrt - ein Plädoyer für eine modernere Bestattungskultur

Ebenfalls auf diesem Blog: Ein Dialog über das "Nachsterben wollen", den Wunsch nach dem eigenen Tod - zwei Trauerbegleiter unterhalten sich

Ebenfalls auf diesem Blog: Was soll nach einem Todesfall gefeiert werden? "Nur" der Todestag - oder auch noch der Geburtstag des gestorbenen Menschen?

Und im Kultur-Blog des Autors: Genug gemeckert, wir sollten froh sein über unsere Theater - eine Liebeserklärung und eine Lobpreisung zum Welttheatertag

Mittwoch, 11. Mai 2016

In eigener Sache, Teil 3: Jetzt ist er fertig - der Raum, in dem seit Mitte Mai 2016 Trauerbegleitung in Osnabrück stattfindet - Die nächsten Schritte sind: Dekorationen und Eigenwerbung


Die Sitzmöbel stehen jetzt, die Regale sind eingeräumt, hier kann jetzt Trauerbegleitung in Osnabrück angeboten werden. Die Telefonnummer 0541/58029496 funktioniert auch schon eine Weile. (Achenbach-Foto)


Osnabrück - Er ist fertig - der Raum in Osnabrück-Hellern, in dem seit Mitte Mai Trauerbegleitung in Osnabrück stattfinden kann. Nachdem die neuen Regale eingeräumt und die Umzugskartons verschwunden waren, ging es an den Aufbau der Möbel. Jetzt fehlen nur noch Details wie Bilder, Dekorationen, Lampen, Gardinen, aber im Großen und Ganzen ist der Raum fertig. 


Die Stühle und das Sofa sind auch schon da


Wie geplant, sollen ab Mitte Mai 2016 die ersten Gespräche hier in diesem Raum stattfinden, so ist es vorgesehen. Also liegt alles genau im Zeitplan. Abgetrennt vom Rest des kürzlich bezogenen Hauses, das im herrlich stillen Ortsteil Hellern liegt, ist dieses neue Arbeitszimmer direkt und mit eigener Garderobe im vorderen Eingangsbereich erreichbar, so dass die Treffen und die Beratungen mit Trauernden in Stille und Anonymität stattfinden können. Der direkt neben dem Haus liegende Spazierweg macht es möglich, während der Begleitung zu gemeinsamen Gängen aufzubrechen - wenn angebracht, auch bei Wind und Wetter, denn vielen Trauernden tut es gut, den Elementen trotzen zu können. Was im Augenblick tatsächlich noch fehlt, ist etwas an den Fenstern. Aber...


Der Raum von der Tür her gesehen - hier wird ab Mitte Mai 2016 Trauerbegleitung in Osnabrück stattfinden, so ist es vorgesehen. Gardinen und Bilder kommen noch, ansonsten ist alles fertig.   (Achenbach-Foto)


... auch das ist schon vorbereitet. Die Vorhänge und Fenster-Plisées kommen am 18. Mai und werden dann eingebaut, die Motivation ist weiterhin hoch, der nächste Schritt ist das noch stärkere Aufmerksam-Machen auf dieses Angebot. Vor lauter Raum-Einrichten-Messe-besuchen-etc. bin ich noch nicht dazu gekommen, Flyer und Visitenkarten (auf der Messe schmerzlich vermisst) drucken zu lassen, das muss dringend nachgeholt werden. Und es wird weiterhin hier dokumentiert sein. Immerhin ist so ein Blog ja ursprünglich als "Internet-Tagebuch" gedacht und auch dieser Blog soll - in Teilen - diese Funktion erfüllen. 


Regularien/Organisation: Wie funktioniert Trauerbegleitung?


So sehen die weiteren Planungen aus: Bis wenigstens September 2016 werde ich mein Angebot von Trauerbegleitung erstmal rein ehrenamtlich durchführen, wer möchte, kann wahlweise dem Hospiz oder dem Bundesverband Trauerbegleitung etwas spenden als Ausgleich, ganz nach eigenem Ermessen. Es startet mit einem Kennenlerngespräch von rund 30 Minuten, danach schließen sich regelmäßig stattfindende Termine (wöchentlich/14-tägig) von je einer Stunde an. Nach jeweils fünf Terminen wird gemeinsam geschaut, wie es so läuft, wie sich der Klient/die Klientin fühlt. Alternativ gehört auch eine Trauerberatung zum Agebot, das ist ein rund einstündiger einmaliger Termin, bei dem geguckt wird, wie die Lage aktuell ist (auch die Gefühlslage), welche Art von Hilfe sinnvoll sein kann oder was sich sonst machen ließe. 

So sind die Pläne. Und jetzt geht es ans Flyer-Produzieren. Es bleibt alles im Fluss... 

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Mehr Infos gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Was soll nach einem Todesfall gefeiert werden? "Nur" der Todestag - oder auch noch der Geburtstag des gestorbenen Menschen?

Ebenfalls auf diesem Blog: "Sei doch bitte wieder normal" geht leider gar nicht - Trauernde brauchen langfristiges Verständnis ohne Ziele 

Ebenfalls auf diesem Blog: Zehn Tipps für einen hilfreichen Umgang mit Trauernden - für Angehörige, Freunde und Kollegen

Und im Kultur-Blog: Theater kosten den Steuerzahler einfach zuviel Geld... ist das wirklich so? Und woher kommt die Theatersubventionierung eigentlich?


Die grüne Hecke vor dem Fenster schafft einen guten Sichtschutz - der Garten trägt Grün, die Arbeit kann losgehen.    (Achenbach-Foto)




Montag, 2. Mai 2016

Tipps zum Umgang mit Trauernden: Warum sich Trauer oft wie ein Gang durchs Labyrinth anfühlt - Feststecken, obwohl der Weg irgendwie immer weitergeht und an ein Ziel führt



In einem Trauerprozess kann die Erfahrung mit Labyrintharbeit hilfreich sein - das bewusste Begehen eines Labyrinths ist eine interessante symbolistische Erfahrung. Dementsprechend hatte der Bundesverband Trauerbegleitung auf der Messe "Leben und Tod" in 2016 ein Trauerlabyrinth aufgebaut.   (Thomas-Achenbach-Foto)

Osnabrück - Der Weg ist verschlungen, aber er führt zwangsläufig zu einem ZIel - oder aus dem Verschlungenen wieder hinaus. Kaum ein Symbol ist so geeignet dafür, den Trauerprozess und die Wirrungen des Lebens darzustellen wie das Labyrinth. Einmal im Jahr, immer am ersten Samstag im Mai - in 2016 also am 7. 5. -, wird der "Welt-Labyrinth-Tag" begangen. Unter dem Motto „Seid eins und geht um Eins“ (oder im Original: „Walk as One at 1“) ist jeder Mensch als Teil eines Weltweit-Ganzen eingeladen, um 13 Uhr ein Labyrinth zu begehen. Gerade für Trauernde kann das Abschreiten eines Labyrinth-Weges eine interessante Erfahrung sein...

Denn bei einem Labyrinth geht es nicht nur darum, den Weg hinaus zu finden, sondern auch darum, zu einer ruhigen und friedvollen Mitte zu kommen. Das ist auch einer der wesentlichen Unterschiede zwischen einem Labyrinth und einem Irrgarten: Jeder Weg hat ein Ziel, auch, wenn es zwischenzeitlich zu Orientierungslosigkeit kommen kann.

Alleine an dieser Symbolik lässt sich ablesen, wie treffend ein Labyrinth den Zustand von Trauernden beschreibt. Abgeschnitten von allem, was gewesen ist, stolpern sie zunächst orientierungslos durch das Leben – dabei sind sie, oftmals ohne es zu merken, bereits auf dem Weg in die nächste Phase. In der es schließlich darum geht, den Verlust in die eigene Biografie einzubauen – als integralen Bestandteil des eigenen Lebens. Das könnte dann die Mitte sein. Oder der Ausweg, je nachdem. 


Für Trauernde, die nicht nach draußen können, gibt es auch ein Fingerlabyrinth zum Nachspüren mit den Händen.   (Thomas-Achenbach-Foto)


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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Ebenfalls auf diesem Blog: Ein Dialog über das "Nachsterben wollen", den Wunsch nach dem eigenen Tod - zwei Trauerbegleiter unterhalten sich

Ebenfalls auf diesem Blog: Was soll nach einem Todesfall gefeiert werden? "Nur" der Todestag - oder auch noch der Geburtstag des gestorbenen Menschen?

Und im Kultur-Blog des Autors: Genug gemeckert, wir sollten froh sein über unsere Theater - eine Liebeserklärung und eine Lobpreisung zum Welttheatertag