Mittwoch, 17. Januar 2018

Wie man Trauernden beistehen kann... Wie funktioniert eigentlich Trauerbegleitung, was bringt Trauerbegleitung und wie kann sie in einer Krise helfen? (Dritter Teil des Dialogs "Zwei Trauerbegleiter unterhalten sich")

Osnabrück/Berlin – Was genau ist das eigentlich, so eine "Trauerbegleitung" - wie genau funktioniert das? Solche Fragen erreichen mich relativ oft, gerne mal am Ende eines Vortrags. Hier sind ein paar Antworten - wieder einmal mit prominenter Unterstützung. Denn im dritten Teil unserer Serie "Zwei Trauerbegleiter unterhalten sich", die parallel hier auf diesem Blog und auf dem Blog der Buchautorin und Trauerbegleiterin Eva Terhorst aus Berlin (siehe hier) erscheint, geht es um genau dieses Thema und um die Erfahrungen, die wir beide gemacht haben. Diesmal darf ich den Auftakt machen. Los geht's:  

Liebe Eva, ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen mit dem Begriff „Trauerbegleitung“ eigentlich gar nicht so richtig etwas anfangen können. Zu den Standardfragen, die dann gerne mal kommen, gehört zum Beispiel: Wie funktioniert das eigentlich genau, so eine Trauerbegleitung? Gibt es da ein Ziel, auf das man hinarbeiten kann? Oder, auch das kommt vor: Können Sie die Trauer irgendwie wegmachen? Geht es Dir auch so, Eva, hast Du ähnliche Beobachtungen gemacht? Und was sagst Du den Menschen denn dann? Liebe Grüße, Thomas


Eva Terhorst aus Berlin hat mehrere Bücher zum Thema Trauer geschrieben und arbeitet unter anderem als Trauerbegleiterin. Sie betreibt auch einen Blog zum Thema Trauer.


Lieber Thomas, das ist gut, dass du dieses Thema ansprichst, denn der Begriff Trauerbegleitung ist in unserer Gesellschaft relativ neu und er wird leider noch oft missverständlich erklärt und aufgefasst. So steht zum Beispiel bei Wikipedia, dass Trauerbegleitung von Angehörigen, Freunden und Kollegen – eben vom Umfeld - geleistet wird. Erst dann, wenn die Trauer pathologisch werde, wird eine professionelle Trauerbegleitung genutzt. Dem möchte ich ganz vehement widersprechen. Die Menschen, die bisher zu mir gekommen sind, um sich von mir begleiten zu lassen, befanden sich allesamt und ausschließlich nicht in einem pathologischen Zustand der Trauer. Viele haben einfach festgestellt, dass sie selbst und auch das Umfeld sich eigentlich so gut wie gar nicht mit dem Thema auskennen. So kommt es zu so quälenden Situationen, dass Betroffene unter großem Druck stehen, wenn sie sich nach ein paar Wochen immer noch traurig und lustlos fühlen. Wenn dann noch Freunde, Verwandte und Bekannte gut gemeinte Bemerkungen machen, dass es doch mal so langsam wieder gut sein muss, denken viele, dass etwas mit ihnen nicht stimmt. Also suchen sie Hilfe aber sie sind ganz und gar nicht pathologisch. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie erleichtert manche meiner Klienten von mir fort gehen, weil ich ihnen klar machen konnte, dass das, was sie erleben und fühlen, komplett normal ist. Die schlechte Nachricht ist natürlich, dass so ein Trauerprozess einfach viel schwerer und länger ist, als man ihn sich vorgestellt hat und man erst so nach und nach lernt, damit umzugehen. Da gibt es viele Phasen und Momente an denen man selbst und das Umfeld überfordert ist und es eine wirklich gute Idee ist, sich Hilfe zu holen. Das bedeutet aber nicht, dass etwas mit einem nicht stimmt. Sich in schwierigen Situationen Hilfe zu holen, scheint etwas zu sein, was sich nur Wenige trauen. Das finde ich sehr schade, denn auch wenn die Trauerzeit ein sehr schwerer Lebensabschnitt ist, kann sie sehr intensiv genutzt werden. Zum Glück wird es aber in unserer Gesellschaft immer normaler und anerkannter, sich in schwierigen Situationen professionelle Hilfe zu holen. Lieber Thomas, jetzt sende ich dir erst Mal liebe Grüße aus Berlin und bin auf deine Antwort gespannt. Eva

Liebe Eva, ja, da hast Du recht. Ich hatte neulich nach einem meiner Vorträge genau diese Situation erlebt, dass ein Mann mich fragte, was denn Trauerbegleitung nun eigentlich genau ist. Ich erklärte es ihm – und er sagte: Aha. Also im Wesentlichen wird da geredet…? Auch wenn ich verstehen kann, dass es auf Außenstehende so wirkt, ist es natürlich eigentlich falsch. Denn im Wesentlichen wird bei einer Trauerbegleitung ja… - verstanden. Also: Das verstanden, was Freunde, Verwandte und Kollegen schon nicht mehr verstehen können oder wollen. Was man ihnen nicht vorwerfen kann oder sollte, denn wer in einer solchen Trauerkrise nicht drinsteckt, für den ist oft wirklich schwer nachvollziehbar, wie lange sich so etwas hinziehen kann. Wie wenig „Entwicklung“ oder „Vorwärtskommen“ darin steckt. Ich habe – genauso wie Du – oft die gute Erfahrung gemacht, dass den Trauernden es ungemein gut tut, wenn sie signalisiert bekommen: Es muss gar kein Vorwärtskommen geben. Es darf jetzt erstmal alles da sein, was gerade da ist. Und das muss raus. Und wenn das lange dauert – Monate, Jahre, länger -, dann ist das eben so. Das gehört dazu. Julian Barnes schreibt in seinem wundervollen Buch „Lebensstufen“ dazu: „Es tut exakt weh, wie es die Sache wert ist.“ Übrigens ist Trauerbegleitung gar nicht immer nur ein Miteinander-Reden. Manchmal ist es auch ein Miteinander-Schweigen. Oder einfach ein Aushalten. Dabei muss es auch gar nicht immer traurig zugehen: Ich habe neulich mit einer Trauergruppe gearbeitet, deren Mitglieder alle wirklich harte Schicksale zu ertragen haben. Aber an dem Abend wurde auch gelacht und es fühlte sich irgendwie gut an. Geht auch. In der Trauer. Hast Du bestimmt auch schon einmal erfahren, oder? Herzliche Grüße, Thomas

Thomas Achenbach ist der Autor dieses Blogs, er ist in der Region und Stadt Osnabrück als Trauerbegleiter aktiv.   (C.-Achenbach-Foto) 

Lieber Thomas, genau – es wird verstanden, was der Betroffene manchmal selbst noch gar nicht versteht und einordnen kann und wir helfen ihm dabei. Und was das Lachen betrifft, ich hatte mal eine Trauergruppe mit der ich so viel geweint und gelacht habe, dass ich es heute noch spüren kann. Genau in dieser Zeit meldete sich der Journalist Arnd Zickgraf von der Zeit und wollte ein Statement von mir über Trauer. Nach unserem Gespräch hat er seinen geplanten Artikel verworfen und einen neuen geschrieben: „Wer trauert,darf auch lachen“ . Ich habe mal ganz provokant gesagt, dass das Umfeld Trauernde weder weinen, noch lachen sehen möchte. Weinst du, ist es belastend, lachst du, ist es irritierend. In einer Trauergruppe ist beides möglich. Es wird verstanden, richtig eingeordnet und nicht bewertet. Keiner denkt dort, wenn jemand lacht, dass er nicht genügend trauert. Das ist so entlastend und wir alle wissen eigentlich, dass in Extremsituationen Weinen und Lachen sehr nahe beieinander liegen können. Ich kann es gar nicht oft genug betonen: Der Verlust eines geliebten Menschen ist eine Extremsituation! Schwierig macht es doch erst die Tatsache, dass Sterben zum Leben dazu gehört und von daher als normal empfunden wird. Bis es einen dann selbst trifft und die Umstände, die persönliche Struktur, die individuelle Situation und die spezielle Bindung an den geliebten Menschen einem aufzeigen, dass normal auch höllisch und lange weh tun kann. Hier hilft eine Trauerbegleitung, um sich selbst besser wahr zu nehmen. Zu begreifen, dass dieser große Schmerz mehr mit großer Liebe als mit großer Schwäche zu tun hat und wie man sie – die große Liebe – bewahren und trotzdem gut weiter leben kann – irgendwann. Lieber Thomas, ich freue mich sehr darüber, in dir jemanden gefunden zu haben, mit dem ich mich über diese wichtigen Themen unserer Arbeit auf diese Weise austauschen kann. Danke und liebe Grüße, Eva

Liebe Eva, ja, ich erlebe das auch als sehr wertvoll und es fließt mir fast wie von selbst aus den Händen. Ich glaube aber auch, dass sich Menschen in einer Trauersituation alleine schon aus diesen Dialogen etwas herauspicken können, was ihnen gut tut. Aber nochmal zurück zur Ausgangsfrage: Ob eine Trauerbegleitung irgendein Ziel braucht. Ich glaube: Das braucht sie nicht. Es ist ja kein Coaching, in dem sich immer alles darum dreht, welches Ziel auf welche Weise erreicht werden kann… Natürlich kann man auch mal auf Ressourcen gucken. Aber erstmal geht es ums Verstandenwerden. Das ist es, was ich im Gespräch mit Trauernden gerne sage, nein, es gibt jetzt erstmal keine Ziele für Sie. Es gibt nur ein Hindurchgehen. Was mir die Trauerbloggerin Anja von „Ein Stück untröstlich“ einmal darauf geantwortet hat, fand ich auch wertvoll – sie beschrieb mir, dass sie an einem Tag auf einmal wahrgenommen habe, dass sie atmet. Nicht mehr, nicht weniger. Aber so als Aha-Effekt: Ach, guck mal, ich atme ja. Hatte ich ganz vergessen, dass ich das tue. Dass ich das kann. So ein Wahrnehmen, als eine wichtige, sagen wir mal, Zwischenetappe auf dem Weg… das reicht oft manchmal. Solche Impulse sind es übrigens auch, die ich an unserer Arbeit so schätze – dass du auf diese vielen vermeintlichen Selbstverständlichkeiten gestoßen wirst, die in Wahrheit alles andere als selbstverständlich sind. Das weckt so etwas wie Demut in einem. Und Demut ist etwas Wichtiges, finde ich. In diesem Sinne sende ich Dir herzliche Grüße, Thomas

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„Zwei Trauerbegleiter unterhalten sich“: Hier tauschen sich die beiden Trauerbegleiter Thomas und Eva über die Themen ihrer Arbeit aus. Das soll zu einem besseren Verständnis beitragen, warum Trauerbegleitung wichtig ist und euch helfen, besser zu verstehen, was ihr gerade durch macht, wenn ihr einen geliebten Menschen verloren habt. Auch für Angehörige von Trauernden kann dieser Dialog hilfreich sein. Denn es ist manchmal nicht so leicht nachzuvollziehen, was in jemandem vor sich geht, wenn er trauert. So kommt es schnell zu Missverständnissen und gut gemeinten Ratschlägen, die oft das Gegenteil vom Beabsichtigten auslösen. Sehr, sehr gerne können Trauernde, Angehörige, Trauerbegleiter und alle, die mit dem Thema zu tun haben, mit ihren Kommentaren dazu beitragen, dass dieser Dialog lebendig und hilfreich sein kann! Mehr Infos über Eva und ihre Arbeit gibt es hier....

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Der Autor dieser Zeilen 
bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Männertrauergruppe in der Region Osnabrück: Offene Gruppe, Einstieg jederzeit möglich - alle Infos über die Gruppe gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Tango auf der Trauerfeier, die Trauerrede als Audiodatei - was heute bei modernen Trauerfeiern alles möglich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Nachsterben wollen - was mache ich, wenn meine Sehnsucht so groß wird, dass ich den Verstorbenen hinterhergehen möchte?

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Und NEU auf diesem Blog: Wer Öffentlichkeit will, muss sie selbst herstellen - Praxis-Tipps für gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Hospiz-, Trauer & Palliativinitiativen

Und im Kultur-Blog des Autors: Wie man als Autor vom Schreiben leben kann - Tipps für Hobbyautoren von einem echten Profi (und ein Plädoyer fürs Selfpublishing)


Dienstag, 9. Januar 2018

Diesmal ein Beitrag, der sich vorwiegend an Nicht-Trauernde richtet - Tipps für alle Eltern: Warum es so wichtig sein kann, eine Sorgerechtsverfügung aufzusetzen - rechtzeitig alles regeln, solange es geht!

Osnabrück (eb) - Wer sich, so wie ich, mehrmals pro Woche mit allerlei Fragen rund um Tod, Trauer und Sterben beschäftigt, kommt zwangsläufig mit ganz vielen Themen des Lebens in Kontakt. Darunter sind viele Bereiche, die mit dem hier zugrundeliegenden Thema Trauer nur am Rande oder in der Schnittmenge etwas zu tun haben, die ich aber trotzdem gerne auf diesem Blog teilen möchte. Einfach, weil ich überzeugt davon bin, dass es so wichtig ist, sich damit auseinanderzusetzen - schon zu Lebzeiten, vor allem! Denn was sich noch im Leben, also im Vorfeld, alles regeln lässt, ist eine Menge - und meine ganz persönliche Erfahrung zeigt: Im Fall der Fälle ist nichts wertvoller und beruhigender als das. Also zu wissen, dass etwas geregelt ist. Und so richtet sich dieser Blogbeitrag nicht an aktuell Trauernde, sondern an Eltern, deren Kinder gesund und munter sind und leben. Was sie hoffentlich noch lange tun. Wobei es eben immer sein kann, dass jemand stirbt - oder dass Mama und Papa eben gleich beide auf einmal sterben, z.B. durch einen Unfall...  Und was dann? Das lässt sich zum Glück schon im Vorfeld regeln...

Höchst unwahrscheinlich, oder? So etwas wird ja nicht passieren… niemals? Nein? Folgende Geschichte habe ich neulich noch - über einige Ecken - gehört: Da hatten die beiden Eltern die Kinder für einen Nachmittag bei den Großeltern zur Betreuung abgegeben, damit sie sich um etwas Wichtiges kümmern konnten. Der Weg dorthin führt nur ein kurzes Stück über die Autobahn, es ist nicht weit, es sind nur zwei Abfahrten, das ist schnell gemacht. Aber weil die Stadtautobahn an dieser Stelle - zwischen zwei Autobahnkreuzen - stets gut befahren ist, gibt es oft Stau. So auch diesmal. Nur dass der Lastwagen hinter den beiden Eltern, wie es hier leider so oft geschieht, das Stauende nicht rechtzeitig gesehen hatte und mit vollem Karacho in das Auto der beiden hineinbretterte. Es quasi auf die Hälfte der ursprünglichen Größe zusammenschob. Beide Eltern starben. Die Mutter sofort, der Vater nur kurze Zeit später im Krankenwagen. Weil die Großeltern schon älter waren, die Geschwister weit weg wohnten und sich mit den Eltern nicht gut verstanden, stand die Frage im Raum: Und was wird jetzt aus den Kindern?

Ein Alptraum, über den man nicht nachdenken mag. Aber sollte. Was ist, wenn das Bett von Mama und Papa ab sofort immer leer bleiben wird? Was wird aus den Kindern?    (Thomas-Achenbach-Foto)

Eine Horrorgeschichte, okay. Viele meiner Freunde reagieren dann so: Alles kein Problem, wenn es uns einmal geschehen sollte, was wir kaum glauben, dann ist doch alles ganz klar, wie es zu laufen hat. Dann übernehmen Großeltern, Taufpaten, Freunde. Ist doch klar? Dem ist leider nicht so. Focus.de hat die folgenden Fakten zusammengetragen: Rund 1000 Kinder werden in Deutschland jährlich zu Vollwaisen, belegen laut der Recherche aktuelle Statistiken. Wer jetzt glaubt, in einem solchen Fall geht das Sorgerecht ganz automatisch an die nächsten Verwandten wie Großeltern oder eventuell vorhandene Geschwister der Eltern - oder gar an Taufpaten -, der täuscht sich allerdings. Denn es entscheiden im Todesfall der Eltern immer das Jugendamt und das Familiengericht zusammen, wer das Sorgerecht bekommt - oder ob das Kind beispielsweise in eine Pflegefamilie kommen soll oder gar ins Heim gehen wird, während das Sorgerecht an einen Vormundverein geht. Das kann beispielsweise passieren, wenn es keine Geschwister gibt und die Großeltern schon älter sind. Gibt es keine Sorgerechtsverfügung, entscheidet das Gericht zwar immer nach Wohl des Kindes, aber eben so, wie es glaubt, dass es für das Kindswohl richtig sein wird - ohne Kenntnis der Familie und der jeweiligen Situation. Taufpaten kommen übrigens sowieso nicht in Frage, denn die haben vor weltlichen Gerichten keine Leigitimation. Das lässt sich alles umgehen und vorher regeln- durch eine Sorgerechtsverfügung. Aber wie muss die aussehen? Was muss alles rein? Wie wird sie am besten formuliert? Ich habe mich auf die Suche nach Informationen gemacht.  


Vorsicht vor auszufüllenden Vordrucken - ungültig!


Es gibt zu diesem Thema zahlreiche Einträge im Internet - wie beispielsweise bei Focus, aber auch bei Eltern.de oder in Artikeln von Notaren. Hier - und bei unserem Nachlassgericht - habe ich mir die wichtigsten Infos zusammengesucht. Es gibt auch allerlei Vordrucke für Verfügungen, die sich nur noch ausfüllen lassen. Davon bitte unbedingt die Finger lassen, denn wie sich hier später noch zeigen wird, sind ausgefüllte Vordrucke nicht ausreichend und werden vom Gericht nicht anerkannt. Okay. Fangen wir an:

1.)    Also, nochmal das Wichtigste: Gibt es keine Sorgerechtsverfügung, entscheiden das Familiengericht und Jugendamt gemeinsam, wer der neue Vormund für das Kind wird. Sie entscheiden ohne fundierte Kenntnis der echten Verhältnisse, aber so, wie es nach Meinung des Gerichts gut für das Kindswohl ist. Also: Besser dem Gericht - das immer das letzte Wort haben wird - mit einer Sorgerechtsverfügung den Elternwillen klar und eindeutig darstellen. Das hilft beiden Seiten. 

2.)    Wird ein neuer Vormund durch das Gericht bestimmt – das können beispielsweise Familienmitglieder sein, Vormundvereine oder Pflegefamilien -, kann dieser selbst immer noch bestimmen, dass das Kind andernorts aufgenommen wird, sofern es keine Verfügung gibt und sofern aus der Sorgererchtsverfügung nicht eindeutig hervorgeht, dass der neue Vormund mit dieser Aufgabe auch einverstanden ist. Allerdings müsste dann bei jedem antstehenden Verkauf (bspw. das Haus der verstorbenen Eltern oder andere Erbstücke von Wert) das Vormundschaftsgericht jeweils eine Genehmigung erteilen. Auch das lässt sich vorab anders regeln.

3.)    Gibt es KEINE Sorgerechtsverfügung, haben Verwandte und Bekannte gegen die Entscheidung des Gerichtes keinerlei Rechtsmittel. Alleine der neue Vormund hat ein Mitspracherecht, siehe oben. Alle anderen aber haben keines. 

4.)    GIBT es eine Vorsorgeverfügung – oder eine entsprechende Passage im Testament -, prüft das Gericht nur noch die Tauglichkeit: Ein 17-jähriger Bruder würde dann als Sorgeberechtigter im Zweifelsfalle vom Gericht ebenso abgelehnt wie sehr altersschwache Großeltern. Ansonsten wird der elterlich verfügte Wille vom Gericht aber bevorzugt anerkannt. Wichtig ist natürlich, dass die Eltern bzw. der alleinerziehende Elternteil mit den jeweiligen Kandidaten für das Sorgerecht im Vorfeld gesprochen hat und sich diese damit einverstanden erklärt haben, für das Kind zu sorgen.

5.)    Wer soll/kann/müsste der neue Vormund werden? Hier gibt es vieles mitzubedenken: Passen Lebensstil, religiöse Zugehörigkeit und die finanzielle Gesamtsituation zu den Einstellungen, die die Eltern hier favorisieren? Passt das Vertrauensverhältnis zwischen Vormund und Kind? Kennen sich die beiden überhaupt schon gut genug?

6.)    Sinnvoll ist  es zudem, in einer Verfügung auch gleich einen Ersatzvormund zu benennen. Falls irgendwas dazwischen kommt. Außerdem können Personen auch von vorneherein als potentieller Vormund ausgeschlossen werden, selbst wenn sie von den Familienverhältnissen her in Frage kämen, beispielsweise bei verrütteten Verhältnissen. Das Gericht würde diese nicht kennen. Wer älter als 60 Jahre ist, darf außerdem von der Vormundschaft zurücktreten, wenn er sich zu alt dafür fühlt – und dies als Grund angibt.

7.)    Zu berücksichtigen ist auch, dass die Vermögenssorge (wer kümmert sich um das Erbe für das Kind – beispielsweise das Geld aus einer Risikolebensversicherung, etc.?) und die Personensorge (wer kümmert sich um das Kind daselbst?) voneinander getrennt werden können. Es dürfen jedoch laut Gesetz nicht mehr als zwei Vormünder bestellt werden. 

8.)    Folgende Formalien müssen erfüllt sein: -> Die Verfügung muss, wie auch ein Testament, handschriftlich aufgesetzt sein. –> Bei zwei Elternteilen genügt es, die Verfügung einmal handgeschrieben abzufassen und vom zweiten Elternteil per Unterschrift bestätigt zu haben. –> Datum und Ort müssen immer mit angegeben sein. –> Die Seiten am besten mit Seitenzahlen versehen. > Die benannten Vormund-Kandidaten sollten regelmäßig befragt werden. – Auszufüllende Formblätter, z. B. aus dem Internet, sind nicht rechtswirksam, weil nicht komplett handgeschrieben (§ 2247 BGB, „Eigenhändiges Testament“). Wenigstens genauso wichtig ist noch die folgende Sache:

Wenn Kinder zu Vollwaisen werden, muss der Weg, der vor ihnen liegt, nicht steinig sein. Vieles lässt sich im Vorfeld verfügen. Wenn man es denn richtig macht....   (Thomas-Achenbach-Foto)

9.)    Wo deponieren? Wichtig ist, dass die Verfügung im Ernstfall auch gefunden wird – beim Notar, beim Anwalt oder zu Hause, also bei den genannten Sorgerechts-Kandidaten, lässt sich eine Verfügung gut hinterlegen. Gegen eine Gebühr übernehmen wohl auch Nachlassgerichte das Verwahren der Sorgerechtsverfügung, in Osnabrück beispielsweise kostet das 75 Euro - nach Auskunft des Gerichts.

10.) Taufpaten sind eben Taufpaten – da geht es um Religion und die religiöse Weitererziehung des Kindes. Eine weltliche und gesetzliche Vormundschaft ist darin jedoch nicht beinhaltet, eine Anerkennung durch ein Gericht als Vormund wird Taufpaten also verwehrt bleiben. Es sei denn, sie werden in einer Sorgerechtsverfügung entsprechend als Vormund benannt.

11.)  Noch etwas mitbedenken: Es kann der Fall eintreten, dass Eltern nicht sterben, aber durch einen Unfall oder eine Krankheit plötzlich so eingeschränkt sind, dass sie das Sorgerecht nicht mehr ausüben können. Auch in einem solchen Fall übernimmt ein Vormund das Sorgerecht für das Kind. Diesen Fall kann man jedoch nicht durch eine Sorgerechtsverfügung abdecken, weil diese nur für den Todesfall gilt. Hierfür bräuchte es eine so genannte Sorgerechtsvollmacht. Eine solche Vollmacht muss immer widerruflich sein.

12.)  Spezialfall alleinerziehende Eltern: Bei Alleinerziehenden ist die Frage immer, wer das Sorgerecht hat – nur eines der beiden Elternteile, nämlich das das Kind gerade erziehende? Gibt es dann keine Sorgerechtsverfügung, überträgt das Gericht die Sorge immer dem anderen Elternteil.

13.) Und wie wird eine solche Verfügung am besten formuliert? Ich habe mal aus den gefundenen Formulierungsvorschlägen eine, wie ich finde, optimal zusammengemischte Version herausdestilliert - jedoch ohne jeden Anspruch auf juristische Vollständigkeit oder auf den Ersatz einer eigenen Recherche und einer Rechtsberatung, das muss hier betont sein. Dennoch. Es könnte sich dann so lesen....:

Wir, das Ehepaar Sieglinde Musterfamilie, geborene Mustermann, geboren am 22.11.1983 in Georgsmarienhütte, und Hermann Musterfamilie, geboren am 11.12.1977 in Bonn, wohnhaft in der Meller Straße 100 in 49124 Georgsmarienhütte, verfügen für den Fall, dass wir die elterliche Sorge für unser Kind Mäuschen Musterfamilie, geboren am 13.11.2007, wohnhaft in der Meller Straße 100 in 49124 Georgsmarienhütte, vorübergehend oder auf Dauer nicht mehr aus- üben können, dass Frau Tussnelda Mustermix, geborene Schultze, geboren am 07.05.1967 in Leipzig, wohnhaft in der Musterhausstaße 3 in 49078 Osnabrück, Telefon XXXX/XXXXX, das Sorgerecht übernehmen soll und zum Vormund bestellt wird. 

Frau Tussnelda Mustermix soll sowohl die Personensorge als auch die Vermögenssorge ausüben. Sollte Tussnelda Mustermix die Übernahme des Sorgerechts für Mäuschen Musterfamilie nicht möglich sein, soll Herr Walter Mustermuster, geboren am 27.04.1963 in Osnabrück, wohnhaft im Blumenring 33 in 49191 Belm, Telefon XXXX XXXx, das Sorgerecht übernehmen und zum Vormund bestellt werden. Herr Paul Meier soll sowohl die Personensorge als auch die Vermögenssorge ausüben.
Ort / Datum
Unterschrift Sieglinde Musterfamilie
Unterschrift Hermann Musterfamilie

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Ebenfalls auf diesem Blog: Tango auf der Trauerfeier, die Trauerrede als Audiodatei - was heute bei modernen Trauerfeiern alles möglich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Und NEU auf diesem Blog: Mehr als Spendenübergaben - Praxis.Tipps für eine gelingende Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Hospiz-, Trauer & Palliativinitiativen

Und im Kultur-Blog des Autors: Wie man als Autor vom Schreiben leben kann - Tipps für Hobbyautoren von einem echten Profi (und ein Plädoyer fürs Selfpublishing)

Mittwoch, 3. Januar 2018

Noch mehr Tipps für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - Für Hospizgruppen, Trauergruppen und alle anderen - Strategien für eine gelingende Presse-, Medien- und Öffentlichkeitsarbeit (Teil 2)

Osnabrück - Vor kurzem habe ich einen Blogbeitrag veröffentlicht, in dem ich ein paar Tipps und Anregungen für eine gelungene Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gegeben habe. Außerdem hatte ich angekündigt, noch eine weitere Liste solcher Tipps zu veröffentlichen. Hier ist sie nun. Und nur noch dieses eine Mal wechsele ich wieder von meiner Funktion als Trauerbegleiter in mein anderes, also hauptberuflich arbeitendes Ich, das als Redakteur und Redaktionsleiter einem Brötchenberuf nachgeht, damit die Trauerbegleitertätigkeit auch ehrenamtlich und nebenberuflich absolviert werden kann.... Okay, los geht's... Im direkten Anschluss an die ersten fünf Tipps machen wir gleich weiter:

6.) Formulieren Sie Ihre Texte immer für eine breite und allgemeine Öffentlichkeit, arbeiten Sie bitte mit so wenig Fachbegriffen wie irgendwie möglich. Das beste Beispiel für ein klassisches Trauerthema, das kaum jemand verstehen kann außer denen, die wirklich tief in der Materie drinstecken, ist die Diskussion rund um die ICD 11 (sprich: soll verfestigte Trauer irgendwann einen eigenen Krankheitsschlüssel bekommen oder nicht?). Dieses Thema lässt sich nur sehr, sehr schwer vermitteln. Dabei wäre es so wichtig, es fürs allgemeine Publikum begreifbar zu machen. Denn das ist so ein Klassiker, der bei unserer Arbeit immer wieder vorkommt. Da gab es zum Beispiel den erzürnten Anruf eines Arztes, der unserer Redaktion eine Pressemitteilung über eine neue Behandlungsmethode geliefert hatte, die wir auch veröffentlicht hatten. Aber so, dass sie alle unsere Leser verstehen konnten, auch ohne Medizinstudium. Weil es in dem Text vor lateinischen und sonstigen Fachbegriffen nur so gewimmelt hatte, war das Redigieren (also das Bearbeiten - wie wir gerne sagen: Redaktion kommt von Redigieren) eine aufwändige Sache gewesen. Und nun sagt der Arzt: "Ich mache mich doch lächerlich vor meinen Kollegen, wenn Sie so ein Zeugs veröffentlichen". Worauf ich freundlich gefragt habe, was der Arzt denn glaube, wie viele - in Prozent - der Leser einer Anzeigenzeitung studierte Mediziner sein dürften... Und wieviele davon vielleicht eher Oma Erna aus dem zweiten Stock sein dürften, also als Beispiel gesagt? (Diese Diskussion habe ich so auch schon geführt mit: Feuerwehrleuten, IT-Experten, Call-Center-Verantwortlichen, you name it...) Und genau für die schreiben wir: Für Oma Erna aus dem zweiten Stock. Oder für ihre Tochter oder ihre Enkel oder ihre Nachbarn oder die Kleinfamilie aus dem Haus nebenan. Oder den Sparkassenbetriebswirt, der vorne an der Ecke wohnt. Für die alle und noch viel mehr. Kurz: Für ein großes, aus zig Menschen und zig Alterskreisen und zig Schulbildungen bestehendes Gesamtpublikum. Was im Umkehrschluss wieder bedeutet: Alle Pressemitteilungen, die uns erreichen, sollten idealerweise ebenfalls so formuliert sein, dass z.B. eine ältere Dame ohne jede Fachkenntnis alles verstehen kann, was darin vorkommt. Große Redaktionen von Publikumszeitschriften haben sich genau diese Arbeitsweise zum Prinzip erkoren: An der Stirnseite der Großraumredaktionen stehen Pappfiguren von einer älteren Dame, die erkennbar gerade vom Markt oder vom Einkaufen kommt. Da kann jeder Redakteur jederzeit hingucken und sehen: Das ist unser Zielpublikum für unser Medium. Die Themen, die wir machen, müssen diese Dame ansprechen, sie müssen so formuliert sein, dass sie auch verstehen kann, was das alles mit ihr und ihrem Alltag zu tun hat. Okay, kommen wir zum nächsten Tipp...:


Basiswerkzeug für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Ein Computer, ein Notizblock und eine Fotokamera.   (Thomas-Achenbach-Symbolfoto)

7.) Machen Sie sich mit ein paar der wesentlichen Grundbegriffe vertraut... Es gibt beispielsweise für Journalisten einen fundamentalen Unterschied zwischen Werbung und Redaktion. Das ist auch so ein Klassiker, der immer wieder vorkommt: Jemand ruft in der Redaktion an und sagt, er interessiere sich dafür, Werbung in der Zeitung zu machen. Dann wird der Anrufer also zur Werbeabteilung (bei uns: Zum Medien Service Osnabrück, dem MSO) durchgestellt. Und dort stellt sich dann heraus, dass es in Wirklichkeit gar nicht um bezahlte Anzeigen geht. Sondern um Artikel im redaktionellen Teil. Also Anrufer wieder zurückleiten, nix als hin und her, Anrufer genervt, Redakteur irritiert... Lässt sich alles vermeiden, weil es nur an einem kleinen Wörtchen hing. Genauso die Formulierung "Platzieren" - jemand ruft in der Redaktion an und sagt, Hallo, er würde gerne einen Artikel "platzieren". Hier gilt selbiges: Platziert werden Anzeigen, keine Artikel. Wer also eine Pressemitteilung in eine Redaktion sendet, der ist interessiert an einem redaktionellen Beitrag. Handelt es sich um die Ankündigung einer kommenden Trauergruppe, die regelmäßig stattfindet, wird so etwas meistens in Form von kurzen so genannten "Meldungen" (nicht Mehrspaltern) geschehen oder in Form von Terminkalendereinträgen. Handelt es sich um größere, einmalige Anlässe wie Benefizkonzerte etc., sind auch mal größere Artikel drin. Vielleicht auch ein Aufmacher. Das ist allerdings auch abhängig vom nächsten, wichtigen Punkt: 

8.) Schicken Sie - wenn es irgendwie geht - IMMER Bilder mit, und zwar mit jeder Pressemitteilug - um bei dem eben genannten Beispiel zu bleiben: Bei einem Konzert beispielsweise sind Bilder von den Akteuren immer wichtig. Wenn ein Chor oder ein Orchester auftritt, wird es dort sowieso Fotos geben, die für Presseartikel benutzt werden, ganz bestimmt, das ist fast immer so. Falls nicht, tut es auch ein Bild vom Veranstaltungsort. Aber auch die regelmäßige, monatliche Pressemitteilung über neue Termine von Trauergruppen etc. dürfen gerne mit Bild eingeschickt werden, beispielsweise Portraits der Gruppenleiter. Das ist besonders wichtig, wer etwas an Online-Medien schickt, denn für Online-Medien gilt grundsätzlich: Niemals eine Pressemitteilung ohne Foto einsenden, jede Veröffentlichung braucht online auch ein Bild (Danke an meinen Kollegen Jens Lintel für diesen Tipp, denn das musste ich selbst vor kurzem noch neu verinnerlichen). Für Zeitungen und andere Printprodukte gilt indes eine andere Grundregel. Nämlich: Das Foto wird nicht jedes Mal mit veröffentlicht werden können, ganz sicher nicht. Aber irgendwann dann doch! Irgendwann, meist in den ganz ereignisarmen Zeiten (Ferienzeiten, Wintermonate wie Januar und Februar, Tage nach großen Feiertagen), wird die Redaktion mal dankbar sein, dass sie auch eine solche Meldung mit einem Bild aufpeppen kann - weil es sonst kaum Fotos geben wird. Machen Sie sich daher möglichst mit den rechtlichen Bestimmungen vertraut (im Kurzen: Das Urheberrecht liegt beim Fotografen, der kann Ihnen Nutzungsrechte einräumen, beispielsweise für regelmäßige Presseverwendung, UND: die gezeigten Personen müssen, solange es kein Gruppenbild von mehr als acht Leuten ist, sich bewusst mit der Veröffentlichung einverstanden erklärt haben wg. Persönlichkeitsrechten). Das alles schicken Sie am besten immer im Paket an die Presse. Bitte immer per E-Mail, nicht mehr als Brief. Und bitte möglichst mit einer Pressemitteilung im gängigen Word-Format und einem Foto von rund 1 MB Größe alleine im JPG-Format (Kein tiff, pdf, irgendwas anderes). Und dann heißt es, leider: Warten und gucken. Denn es gibt noch etwas Wichtiges zu sagen... Nämlich:


Ganz wichtig bei Gruppenaufnahmen: Nah ran ans Motiv, also an die Gruppe, und immer eine ganze Serie von Bildern machen - irgendwer hat immer gerade die Augen zu oder einen doofen Gesichtsausdruck.  (Thomas-Achenbach-Symbolfoto)

9.) Versuchen Sie zu akzeptieren, dass es Dinge gibt, mit denen Sie leben müssen - dass es beispielsweise keine Rückmeldungen auf Ihre Einsendung gibt. Ganz oft lautet die Klage: "Wir bekommen ja auch nie eine Rückmeldung auf unsere Einsendungen". Ganz oft steht in den die Pressemitteilung begleitenden Mailtexten: "Bitte teilen Sie uns vorab mit, wann Sie und wie Sie unsere Pressemitteilung veröffentlichen werden." Oder so etwas wie: "Falls Sie an dem eingesandten Pressetext Kürzungen vornehmen müssen, stimmen Sie diese bitte vorher mit uns ab..." Und ich kann das sehr, sehr gut verstehen, wie unbefriedigend das ist, seine mit viel Arbeit und vielleicht auch viel Unsicherheiten verbundenen Sachen in so ein schwarzes Loch hineinzuschicken - und dann nur abwarten zu müssen, ob etwas kommt, wann etwas kommt und in welcher Form es dann kommt. Falls überhaupt. Mir geht es übrigens ganz genauso, wenn ich selbst - in meiner Funktion als Trauerbegleiter und Trauergruppenleiter oder als Dozent eines Seminars - Pressemitteilungen an die Kolleginnen und Kollegen verschicke: Hinschicken, abwarten, staunen - oder auch nicht. Weil nix kommt. Oder gleich eine Interviewanfrage. Alles schon passiert. Aber ich weiß ja, wie das ist: Auf jedem ganz normalen Mailpostfach eines ganz normalen Redakteurs eines Durchschnittsmediums wie der Tageszeitung laufen an einem normalen Arbeitsalltag rund 60 bis 100 E-Mails auf. Einfach so und ständig. Macht bis zu 600/700 E-Mails pro Woche. Und das ist kaum übertrieben. Dazu kommen noch die im ersten Artikel schon genannten öffentlichen Postfächer wie redaktion(at) und Co., die auch durchgesehen und gepflegt werden müssen - würde man jetzt auf jede E-Mail reagieren wollen, durch individuelle Rückmeldung, müsste man dafür extra jemanden einstellen. Und das wäre Quatsch. Also wird es wohl beim schwarzen Loch bleiben müssen. Was Sie, spätestens jetzt, vielleicht nicht mehr schocken kann. Genausowenig, wenn ich noch die folgende Anregung habe:

10.) Betrachten Sie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit als ein kundenorientiertes Serviceangebot und als eine aktive und selbstbestimmte, nicht rein reaktive, Arbeit. Das ist der eine Gedankenschalter, den die Profis in Sachen Pressearbeit, PR-Arbeit und Öffentlichkeitsarbeit umlegen können: Sie definieren sich als Dienstleister. Und zwar als Dienstleister für alle Ansprechpartner, also die hausinternen wie die externen. Soll heißen: Sie begreifen ihre Aufgabe so, dass sie allen, die das wünschen, ihren Service anbieten, zum einen den Service, die eigenen Belange geschickt zu formulieren und in die Medien zu geben, wie auch den Service, den Machern der Medien als Ansprechpartner und Vermittler zur Verfügung zu stehen. Das ist eine Haltungsfrage. Aber sie hat maßgeblichen Einfluss auf alles, was man tut. Wenn ich beispielsweise in meiner Eigenschaft als Redakteur auf meiner Arbeit angerufen werde und mich der Anrufer in einem fast schon ärgerlichen oder provokativen Tonfall fragt: "Ich habe Ihnen letzte Woche eine Pressemitteilung geschickt und wieso haben Sie die jetzt noch immer nicht veröffentlicht?", habe ich es mit einer anderen Haltung zu tun als einer serviceorientierten. Denn sonst hätte es beispielsweise so heißen können...: 


Wer in die Öffentlichkeitsarbeit einsteigen möchte, sollte sich mit professioneller Kommunikation beschäftigen - zumindest aber sollte er seine persönliche Haltung einmal prüfen oder überlegen.   (Thomas-Achenbach-Symbolfoto)

"Hatten Sie schon eine Chance, sich das Material ansehen zu können - ist es für Sie so verwendbar, bräuchten Sie noch etwas, kommt es für Sie überhaupt infrage?". Andere Haltung, wichtiger Unterschied. Es ist grundsätzlich immer schwierig, mit einer Erwartung an das Thema ranzugehen wie "Diese blöden Medien, die müssen uns jetzt mal ordentlich entgegenkommen, das haben wir ja wohl langsam mal verdient" (was nach meiner Beobachtung übrigens eine nicht selten vorkommende Haltung ist)... Machen Sie sich bitte möglichst immer bewusst: Es geht bei der professionellen Presse- und Medienarbeit nicht darum, die Arbeit von einzelnen (z.B. von Ehrenamtlichen) würdigend in den Vordergrund zu stellen. Es geht überhaupt gar nicht um Würdigung von irgendetwas. Es geht immer nur um Information. Eine Trauergruppe findet statt - und zwar dann und dort und zu diesen Bedingungen. Ein Konzert wird gegeben für den guten Zweck. Das ist sachlich und nüchtern. Das sind Nachrichten, Fakten, Verlässlichkeiten. Es sind keine Würdigungen. Denn dafür, sorry, sind Medien in der Regel nicht zuständig (bis auf Ausnahmen wie Konzertkritiken etc.). 

Puh. Noch aufnahmefähig? Okay, dann kommt jetzt noch mein allerwichtigstes Herzensthema, sozusagen mein persönlicher Spezialtipp, mit dem ich bei meinen Seminaren zu diesem Thema immer wieder auch verstörte oder irritierte Blicke bei den Teilnehmern erzeuge....: 

Wichtig bei Gruppenaufnahmen: Darauf achten, dass die Fotografierten gut versetzt stehen und keiner verdeckt wird.   (Thomas-Achenbach-Symbolfoto)

10.2.) Wenn Sie irgendwo anrufen, dann fragen Sie bitte immer, immer, immer zuerst, ob Sie stören.... Denn das ist professionelle Kommunikation. Als Anrufer können Sie nicht sehen und nicht wissen, in welche Situation Sie hineingeraten. Vielleicht versucht der Redakteur, den Sie erreichen wollen, gerade sich zu konzentrieren und einen schwierigen Text zu schreiben. Vielleicht ist gerade noch ein Gesprächspartner im Raum, mit dem der Redakteur persönlich etwas besprochen hat? Wer weiß. Also: Erst fragen, ob man stört. Das gibt dem anderen nicht nur die Chance, sagen zu können, "Ja, es passt gerade wirklich nicht so gut, aber ab 15 Uhr habe ich wieder gute Freiräume". Es ist auch ein guter und freundlicher und zuvorkommender Gesprächseinstieg. Man hat ein anderes Entrée - als wenn man direkt anfängt gleich loszusprudeln. Denn werfen wir ganz kurz einen Blick auf die aktuelle Situation. Oder auf den Arbeitsalltag eines lokalen Redakteurs. Egal, ob in einer Radioredaktion, einer Zeitungsredaktion oder bei einem Onlineportal, die Faktoren sind überall ähnlich bis gleich: Die Mailpostfächer quillen über von Pressemitteilungen. Die Zeit ist knapp. Die Ressourcen sind es auch. Wer als Redakteur noch rausgehen und Termine wahrnehmen kann, gönnt sich einen leider seltener werdenden Luxus. Das ist überall so. Und dann klingelt ganz oft noch das Telefon, hier fragt einer etwas nach, dort ein anderer etwas anderes. Wir müssen ehrlich sein: Das kann kolossal nerven. Umso besser, wenn man einen zuvorkommenden Einstieg wählen kann. Nehmen Sie die Luft raus, den Druck raus und fragen Sie, ob Sie stören. Immer. Ich tue das auch immer, ganz egal, wo ich anrufe, ob hausintern in einer anderen Abteilung oder beim Pressesprecher eines Unternehmens. Und, klar, natürlich ist das deren Job, die Anrufe anzunehmen und verfügbar zu sein. Aber man kann doch trotzdem einfach mal nett sein. Schadet selten. 

Übrigens, soviel Eigenwerbung sei mir zum Schluss noch gestattet: Wer das Ganze nochmal vertiefen möchte: Am 21. April 2018 gebe ich bei der Volkshochschule in Lingen (Emsland) einen Intensivworkshop Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Infos und Anmeldung über die Kurs-Website der Lingener VHSJetzt erstmal: einen guten Start oder weiter viel Erfolg.... Und bitte nicht ärgern. Ja, Öffentlichkeitsarbeit kann Arbeit machen (das Wörtchen steckt da ja drin). Aber es kann sich lohnen....

Hier geht es zum ersten Teil der Tipps für gelingende Presse- & Öffentlichkeitsarbeit... 

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier. Außerdem bietet er Seminare und Workshops zu den Themen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

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Kommende Termine: Intensivworkshop Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Volkshochschule Lingen, am 21. 4. 2018, Infos und Anmeldung über die Kurs-Website der Lingener VHS

Kommende Termine: Männertrauergruppe in der Region Osnabrück: Offene Gruppe, Einstieg jederzeit möglich - alle Infos über die Gruppe gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Ebenfalls auf diesem Blog: Tango auf der Trauerfeier, die Trauerrede als Audiodatei - was heute bei modernen Trauerfeiern alles möglich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Digitaler Nachlass wird noch nicht ernst genommen - warum ich gestorbenen Menschen keine Freundschaftsanfragen schicken können sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Trauer im Berufsleben/Trauer in der Arbeitswelt - was Arbeitgeber alles tun können - schon mit Kleinigkeiten ganz viel erreichen

Und im Kultur-Blog des Autors: Wie man als Autor vom Schreiben leben kann - Tipps für Hobbyautoren von einem echten Profi (und ein Plädoyer fürs Selfpublishing)



Mittwoch, 27. Dezember 2017

Kaum Verbesserungen für die Mütter von Sternenkindern - wo das neue Mutterschutzgesetz (seit dem 1. 1. 2018 gültig) noch Lücken aufweist - Anerkennung für die Trauer und Hilfe für Mütter in einer schwierigen Situation

Osnabrück - Am 1. 1. 2018 ist ein neues Mutterschutzgesetz in Kraft getreten. Und obwohl es in dieser neuen Fassung - die in Teilen bereits im Mai 2017 gültig geworden ist - durchaus Verbesserungen für den Kündigungsschutz gibt, haben die Mütter von Sternenkinder noch immer nicht das bekommen, was sie sich erhofft haben: Wer ein totes Kind auf die Welt bringen muss, hat nach wie vor keinen Anspruch auf Mutterschutz. Darin sehen viele Aktive wie z. B. die "Initiative Regenbogen" eine Ungerechtigkeit.

"Vollkommen unverständlich" - "Man kann doch nicht so tun, als wenn nichts passiert wäre" - So lauteten Kommentare, die Facebook-Nutzerinnen unter einen entsprechenden Artikel der Neuen OZ stellte (Siehe hier: "Kein Mutterschutz bei Sternenkindern"). Denn bereits im Dezember hatte ich dort einen Artikel über dieses Thema veröffentlicht - passend zum dann stattfindenden "World Wide Candlelighting", dem Gedenktag für gestorbene Kinder. Der Text hatte vielerlei Reaktionen hervorgerufen. "Gleich wieder arbeiten müssen, das ist wirklich hart", schrieb beispielsweise ein Twitter-User als Kommentar. Er war nicht der Einzige.



Wer sein Kind verloren hat, möchte gerne angemessen trauern dürfen.    (Pixabay.de-Symbolfoto/CC-0-Lizenz)

Denn auch viele andere, vor allem die sich als Mütter von Sternenkinder zeigenden Kommentiererinnen, waren der Meinung, dass das Gesetz an dieser Stelle eine eklatante Schwachstelle aufweist. Denn wer sich statt des Mutterschutzes - und psychologisch gesehen sicher vollkommen berechtigt - krankschreiben lässt, der läuft Gefahr, bei seinem Arbeitgeber und auch sonst merkwürdig angesehen zu werden. Sich krankschreiben lassen ob einer seelischen Verletzung - und nichts anderes ist ein solcher harter Einschnitt des Lebens -, das hat in Deutschland 2018 immer noch ein "Geschmäckle". Ein weiterer Aspekt, der mich in meiner Recherche zu dem Thema beschäftigt hat, war die Frage nach der Nachsorge der Mütter. 


Rückbildungskurse & Spezial-Hebammen für Sternenkindmamas?


Thema Rückbildungskurse - gibt es welche, die speziell für Sternenkindmütter funktionieren? Müsste es doch eigentlich geben, oder? Denn wer ein Kind zur Welt gebracht hat, egal, ob lebend oder leider gestorben, der sollte natürlich die üblichen Maßnahmen ergreifen können, um seinen Körper wieder in einen guten Zustand bringen zu können. Allerdings dürfte ein normaler Rückbildungskurs voller frischer Mamis mit lebenden Kindern daheim und all den Themen, die dann eine Rolle spielen, für Sternenkind-Mamas eine zusätzliche - seelische - Qual darstellen. Wie Melanie Trimborn von der Initiative Regenbogen mir sagte, gibt es zwar entsprechende Kurse, aber "leider nur sehr vereinzelt". Und sie bekräftigte meine Vermutung: "In der Phase der tiefen Trauer um das eigene Baby ist es allerdings so, dass viele Frauen sich gar nicht vorstellen können, in einen Rückbildungskurs mit lauter glücklichen Müttern oder gar mit Müttern mit Babys zu gehen."



Die Eltern hatten es gefordert, der Bundestag hatte abgelehnt


Tatsächlich hatte es übrigens bereits 2014 einen Versuch zu geben, durch eine Online-Petition den Mutterschutz auch für Sternenkindmamas durchzusetzen. Diese Petition war dann immerhin auch im Petitionsausschuss des deutschen Bundestags beraten worden. "Leider war die Petition nicht erfolgreich", sagt dazu Anika Müller von der Initiative Regenbogen, "interessant ist aber trotzdem der Beschluss des Petitionsausschusses dazu, der einige wichtige Aspekte beleuchtet, z. B. die Vorraussetzung für die Mutterschutzfristen; in dem Zusammenhang hat der Begriff ,Entbindung' eine zentrale Bedeutung." Ob es ggf. noch einmal zu einer weiteren Petition kommen wird, schließt Anika Müller aber nicht aus: "Die Initaitive Regenbogen sammelt Berichte zum Thema Mutterschutz, um die Ungerechtigkeiten aufzeigen zu können", sagt sie. "Ob wir daraus eine Petition machen, wissen wir noch nicht. Die juristische Fragestellung ist nach meiner Meinung nicht so einfach zu beantworten, man müsste sich dafür nochmal genau die Hintergründe des Mutterschutzgesetzes ansehen."

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Männertrauergruppe in der Region Osnabrück: Offene Gruppe, Einstieg jederzeit möglich - alle Infos über die Gruppe gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Tango auf der Trauerfeier, die Trauerrede als Audiodatei - was heute bei modernen Trauerfeiern alles möglich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Und NEU auf diesem Blog: Mehr als Spendenübergaben - Praxis.Tipps für eine gelingende Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Hospiz-, Trauer & Palliativinitiativen

Und im Kultur-Blog des Autors: Wie man als Autor vom Schreiben leben kann - Tipps für Hobbyautoren von einem echten Profi (und ein Plädoyer fürs Selfpublishing)

Männertrauergruppe in der Region Osnabrück - Offene und überkonfessionelle Gruppe, geeignet für alle trauernden Männer aus Stadt und Landkreis Osnabrück - alle Termine 2018 im Überblick

Osnabrück - Für trauernde Männer in allen Situationen (verwitwete Männer oder welche, die ihr Kind verloren haben) gibt es in der Region Osnabrück ein Angebot, bei dem ich als Leiter mitmachen darf, wofür ich sehr dankbar bin: Eine relativ neue und offene Trauergruppe nur für Männer, bei der ein Einstieg jederzeit möglich ist und die sich an Männer aus der ganzen Region und Stadt Osnabrück richtet.  

Immer am zweiten Mittwoch des Monats trifft sich um 19.30 Uhr diese neue Trauergruppe, überkonfessionell ausgerichtet und für Interessierte aus der gesamten Region Osnabrück offen ist. - „Männer trauern anders“ – lautet die eine Erfahrung.... „Der Tod kennt kein Alter“  ist die andere Erkenntnis... ---   beidem wollen die die Gruppe leitenden Trauerbegleiter versuchen, gerecht zu werden in einer Trauergruppe, die nur für Männer - und zwar Männer jeden Alters – angeboten wird. Die Gruppe wird als offenes Angebot geführt, ein Einstieg ist jederzeit möglich. Geleitet wird die Gruppe von Thomas Achenbach, zertifiziertem Trauerbegleiter nach den Standards des Bundesverbands Trauerbegleitung (BvT) und der Wallenhorster Pastoralreferentin Regina Holzinger-Püschel (Zertifikate der Internationalen Gesellschaft für Sterbebegleitung und Lebensbeistand, ISGL, und der Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie, GwG). 

Der Weg, den Männer in ihrer ganz eigenen Trauer vor sich haben, kann steinig sein.   (T.Achenbach-Symbolfoto) 

Die Gruppe trifft sich im Pfarrheim der Kirchengemeinde St. Alexander, Wallenhorst, Kirchplatz 7. Anmeldungen und Infos unter Tel. 0 15 75/3 73 65 18  oder holzinger-pueschel@pg-wallenhorst.de. Die Termine im Jahr 2018 sind Mittwoch, 10. Januar; Mittwoch, 14. Februar; Mittwoch, 14. März; Mittwoch, 11. April; Mitwoch, 9. Mai; Mittwoch, 13. Juni; Mittwoch, 11, Juli; Mittwoch, 8. August; Mittwoch, 12. September; Mittwoch, 10. Oktober; Mittwoch, 14. November; Mittwoch, 12. Dezember.

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Vorgestellt - drei neue Bücher rund um Trauer und Verlust: Wenn die Eltern sterben, wenn Du Dir mit Schreiben hilfst, wenn Kollegen trauern

Ebenfalls auf diesem Blog: Tango auf der Trauerfeier, die Trauerrede als Audiodatei - was heute bei modernen Trauerfeiern alles möglich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Was soll nach einem Todesfall gefeiert werden? "Nur" der Todestag - oder auch noch der Geburtstag des gestorbenen Menschen?

Und im Kultur-Blog des Autors: Warum die "Live-im-Kino"-Ereignisse ein großer Wachstumsmarkt, was die Branche noch Spannendes plant und warum sie medial gesehen zwischen allen Stühlen sitzt - ein Interview rund um Rock'n'Roll & Oper im Kino

Dienstag, 5. Dezember 2017

Komm, wir podcasten und reden einfach über den Tod - so funktioniert das neue Podcast-Projekt "Endlich" - und wer dahintersteckt und warum eigentlich

Berlin/Osnabrück - Trauer wird jetzt auch hörbar. Das Trauerradio ist bereits gestartet, dazu bald mehr hier. Und den "Endlich"-Podcast gibt es jetzt monatlich - dahinter stecken Susann Brückner und Caroline Kraft, die ab jetzt immer monatlich eine Sendung online stellen. Darin geht es immer eine knappe Stunde über den Tod und alles ihm Verwandte, Trauer, Sterben, you name it. In der zweiten Hälfte der Sendung immer mit einem Gast. Ihr Credo: Es hilft viel über das Thema zu sprechen und das muss mehr getan werden, auch in der Öffentlichkeit. Aber wie funktioniert das Ganze? Und wie wird es weitergehen, was ist alles noch geplant? Wo gibt es den Podcast? Und wer sind die Macherinnen eigentlich? Fragen über Fragen... 

Am besten stellen wir sie einem Menschen, der sie am besten beantworten können: Carolin von Endlich. In einem E-Mail-Interview habe ich all die Fragen loswerden können, die mich beschäftigt haben. Und ich habe viele spannende Antworten und wertvolle Zeilen von ihr zurückerhalten, die ich sehr gerne hier teilen möchte. 


Was noch vor wenigen Jahren nur per Cassette möglich war, ist heute durch Internet und I-Pods zum einfach verfügbaren Medium geworden: Eigene Sendungen verbreiten. So wie es "die Endlichs" tun...  (Thomas-Achenbach-Foto)

Caro, Ihr sagt, dass ebenfalls die ermutigende Erfahrung gemacht habt, dass das Reden über Trauer und Tod und Sterben etwas durchaus Gutes sein kann - wobei auch Euer Weg mit Schicksalsschlägen begonnen hat. Mögt Ihr ein wenig darüber erzählen? 

Caroline: Wir haben beide Menschen durch Suizid verloren. Susann hat diese Erfahrung gleich zweimal gemacht, und zwar im Abstand von fast 20 Jahren, einmal mit 19 und dann nochmal vor anderthalb Jahren. Bei mir ist es knapp drei Jahre her - wir arbeiteten zu der Zeit in derselben Firma und Susann war eine der ersten Personen, die sich bei mir meldeten. Ich weiß noch genau, was in der Email stand: „Ich habe ähnliche Erfahrungen mit dem Thema gemacht wie Du. Wenn Du mit jemandem darüber reden möchtest, die dich nicht betroffen anschaut, sag mir Bescheid.“ Ich fand das so toll: offen und mutig und ganz anders als bei vielen Leuten, die einfach total überfordert waren von der Situation. Wir haben dann angefangen, genau das zu tun: uns abends zum Bier zu treffen und über unsere Erfahrungen zu sprechen. Für mich war das wahnsinnig wichtig. Und wir haben gemerkt, dass das Thema Tod und Trauer fast unerschöpflich ist - und spannend, nicht nur auf einer persönlichen Ebene. Wir glauben, dass es einen anderen gesellschaftlichen Umgang damit braucht und würden uns mehr Unerschrockenheit und mehr Neugier wünschen. Aber das ist eben nur möglich, wenn man sich selbst schon mal mit dem Thema beschäftigt hat.

Nun also ein Podcast über Tod, Trauer und Sterben. Und immer mit Gästen. Wieso habt Ihr Euch für das Format Podcast entschieden? Kommt Ihr aus der Radiobranche?

Caroline: Nein, aber wir kommen aus der Kultur- und Medienbranche. Wir haben uns in einem Verlag kennengelernt. Susann arbeitet dort immer noch, ich habe mich mittlerweile selbständig gemacht. Susann ist ein riesiger Podcast-Fan und wollte das gerne immer mal selbst ausprobieren. Ich komme eher aus der schreibenden Richtung. Der Gedanke war aber naheliegend, irgendwann dachten wir abends beim Bier: Eigentlich müsste man nur ein Mikro neben uns aufstellen, dann hätten wir fast schon einen Podcast. Wir wollen aber vor allem auch mit anderen darüber sprechen, und finden es wahnsinnig spannend, Gäste einzuladen und ihre Meinung zu dem Thema zu hören.

Wie kommt Ihr denn an Eure Gäste ran? Und habt Ihr keine Angst, dass Euch nach zwei Jahren Gäste und Ideen ausgehen könnten?

Caroline: Im Moment vor allem durch ein großes Netzwerk aus Freunden, Kollegen und Menschen, mit denen wir auf die ein oder andere Art mal zusammengearbeitet haben. Da hilft uns unser Job natürlich auch. Außerdem mache ich gerade eine Ausbildung zur Sterbebegleiterin, wo mir viele interessante Menschen aus dem Umfeld der Hospizbewegung begegnen. Seit wir von dem Podcast erzählen, melden sich auch viele Leute bei uns. Da kommt so eine tolle Bandbreite zustande: Menschen, die selbst mit dem Thema konfrontiert waren, wie z.B. die Autorin und Radiomoderatorin Lea Streisand, die wir als ersten Gast eingeladen haben. Lea ist mit 30 an Krebs erkrankt und dem Tod sehr nahe gekommen. Oder Gäste, die irgendwie professionell mit dem Tod arbeiten - von der Bestatterin bis zum Ethnologen, der über den Umgang mit dem Tod in anderen Kulturen forscht. Kurz gesagt: Nein, wir haben im Gegenteil das Gefühl, wir könnten jede Woche eine Sendung machen, ohne dass es langweilig würde. 

Was wäre Eure Wunschvorstellung, was Euren Podcast angeht?

Caroline: Wir würden uns wünschen, dass wir einigen Leuten einen Anstoß geben, mal über den Tod nachzudenken. Wir haben ja gerade unsere erste Sendung veröffentlicht, und wir kriegen viele Rückmeldungen von Hörern, die sagen, dass das, worüber wir sprechen, sie berührt und zum Nachdenken anregt. Das ist genau das, was wir mit dem Podcast erreichen wollen: Wir wollen zeigen, dass die Beschäftigung mit dem Tod gut und spannend sein kann und nicht zwangsläufig schwer oder traurig sein muss. Außerdem geht es uns in erster Linie nicht darum, Antworten zu geben, sondern Fragen zu stellen. Wir verstehen unseren Podcast als eine Art Spurensuche zu einem Thema, zu dem jeder seine eigenen Antworten finden muss.

Wieso eigentlich endlich.cc ? Wie kommt es zu diesem cc - und wie macht man das, sich so eine Internetadresse anlegen zu können? Ich hatte ja beinahe erst vermutet, ihr würdet in Tschechien leben... Aber ihr lebt in Berlin, oder?


"Endlich" ist endlich online: Susann Brückner (links) und Caroline Kraft freuen sich über ihr Podcastprojekt.   (John-Facenfield-Foto, mit freundlicher Genehmigung)

Caroline: Unser Name - endlich - ist eigentlich ein Wortspiel. Endlich: Wie das Leben. Endlich. Aber auch: Wir sollten endlich mehr über den Tod reden. Und natürlich auch: Endlich gibt es unseren Podcast! :-) Unsere Domain-Endung .cc ist aus relativ praktischen Überlegungen entstanden - wir wollten eine kurze Adresse mit unserem Haupttitel, und endlich.de oder endlich.com waren bereits vergeben. Es gibt mittlerweile sehr viele unterschiedliche Endungen, die man ganz normal bei den üblichen Anbietern von Domains kaufen kann - .cc ist uns schon häufiger begegnet, weil es mittlerweile einige Startups gibt, die Ihre Website so enden lassen. Und es gefällt uns gut, weil es so schlicht und knackig ist. Und, ja, wir leben in Berlin. 

Wird das Angebot kostenlos sein oder wollt ihr es irgendwann, wie man heute im Wirtschaftsdeutsch so hübsch sagt, "monetarisieren"?

Caroline: Das Angebot ist kostenlos und das ist uns wichtig. Wir wollen die Schwelle zur Beschäftigung mit unserem Thema ja so klein wie möglich halten und auch denjenigen die Möglichkeit geben, die einfach nur mal neugierig sind und nicht so richtig wissen, ob der Tod das richtige Gesprächsthema für sie ist. Wir haben außerdem beide „richtige“ Jobs und machen "Endlich" als Hobby. Das ist toll, weil es uns eine riesige Freiheit gibt - diese Freiheit wollen wir auch unbedingt beibehalten.

Ja, das kann ich nachvollziehen... So geht es mir auf diesem Blog hier auch. Okay, nochmal eine technische Anleitung für Dummies: Wie kann ich einen Podcast anhören, selbst wenn ich heute zum ersten Mal davon lese, dass es sowas gibt?

Caroline: Du gehst auf unsere Seite, www.endlich.cc. Dort kannst Du den Podcast online anhören oder für später runterladen. Außerdem ist er bei iTunes und den gängigen Podcast-Plattformen verfügbar - dort kann man endlich. auch abonnieren. Dann werden Dir automatisch neue Folgen angezeigt und Du kannst sie jederzeit hören - online oder offline... 

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Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung an in Osnabrück und im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Er hält auch Vorträge zum Thema Trauer und Umgang mit Trauernden. Mehr Infos gibt es hier

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Männertrauergruppe in der Region Osnabrück: Offene Gruppe, Einstieg jederzeit möglich - alle Infos über die Gruppe gibt es hier

Ebenfalls auf diesem Blog: Tango auf der Trauerfeier, die Trauerrede als Audiodatei - was heute bei modernen Trauerfeiern alles möglich sein sollte

Ebenfalls auf diesem Blog: Der Fluch der Tapferkeit - warum es Menschen in der modernen Gesellschaft so schwer fällt Trauer als etwas Normales anzuerkennen

Und NEU auf diesem Blog: Mehr als Spendenübergaben - Praxis.Tipps für eine gelingende Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Hospiz-, Trauer & Palliativinitiativen

Und im Kultur-Blog des Autors: Wie man als Autor vom Schreiben leben kann - Tipps für Hobbyautoren von einem echten Profi (und ein Plädoyer fürs Selfpublishing)